22. Juni 2011 Frank Pfütze (Leipziger Volkszeitung)

"Energie muss bezahlbar bleiben"

Nordsachsens Landrat spricht sich für die Nutzung von Braunkohle aus


Kreisgebiet. Michael Czupalla (CDU) sieht die Energiewende als Chance für Veränderungen und stellt sich hinter die Aussagen von Sachsens Regierungschef Stanislaw Tillich (CDU), der die Nutzung einheimischer Ressourcen fordert. Bei der Bezahlbarkeit von Strom will Tillich vor allem an der Braunkohle "als bezahlbare und zuverlässige Energiequelle" festhalten.
Die deutsche Stromversorgung muss bezahlbar, sicher und nicht vom Ausland abhängig sein, fordert der Ministerpräsident mit Blick auf einen geordneten Atomausstieg. In der Regierungserklärung zur Energie bekennt sich Sachsens Ministerpräsident zur Braunkohle. Mit ihr als "Partner der erneuerbaren Energien" soll Sachsen "Energieland Nr. 1" werden (wir berichteten).
"Energie muss bezahlbar bleiben", sagt auch Czupalla. Der Landrat von Nordsachsen ist sich sicher, dass in 20 Jahren ohne Atomstrom nichts geht in Europa. Von der Bundesregierung ist er enttäuscht, weil sie kein Konzept hat. "Eine Ethikkommission, die nur feststellt, wann der Atomausstieg zu erfolgen hat, aber nicht wie, verdient den Namen nicht", so Czupalla. Er kritisierte die Bundesregierung, die in den vergangenen 20, 30 Jahren zu wenig in den Ausbau der Netze und der Energieversorgung investiert habe. "Ich vermisse ein Konzept, wie die Entlastung der energieintensiven Industrie aussehen soll. Wir brauchen einen starken Mix und wir brauchen die Braunkohle in Europa. Atomstrom ist auch 2030 noch nötig, um die Industrie in Gang zu bringen, um zu kochen und zu heizen", so der Landrat gestern im Gespräch mit der Kreiszeitung. Deutschland müsse aufpassen, dass es kein Experiment mit der Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft veranstaltet, dass der energiepolitische Sonderweg das Land nicht ins Abseits katapultiere. Kennzeichnend für Nordsachsen sei, dass die vorhandenen Industriezentren auch in Zukunft eine Menge Strom verbrauchen. Die Möglichkeit der Speicherung von Energie ist jedoch nur begrenzt möglich, wirkungsvolle Speicher befinden sich in der Entwicklung. Die Energieträger Wind und Sonne können nicht konstant genutzt werden. Was bedeutet das für den Altkreis Delitzsch als ehemalige Braunkohleregion? Gerade hier haben die Tagebaue tiefe Spuren hinterlassen. Werden sie wieder aufgemacht? Weicht das Wasser den Abraumbaggern? Czupalla gibt Entwarnung. Daran sei nicht zu denken: "Wir sind in der Rekultivierungsphase. Braunkohleabbau spielt hier keine Rolle mehr."