14. Juni 2011 Julia Heide (Torgauer Zeitung)

Entgiftung der Deponie weiter ungeklärt

Belgern (TZ). Fast zwei Jahre sind seither vergangen, dass die dafür zuständige Gesellschaft zur Entwicklung und Sanierung von Altstandorten mbH (GESA) mit Sitz in Berlin ankündigte, die am 4. Mai 1992 geschlossene Deponie Weinbergfeld in Belgern im Oktober 2009 in Form einer Entgiftungsaktion zu sanieren. Die hierfür notwendige Sanierungsplanung war jedenfalls, wie die GESA-Sprecherin Gudrun Finger vor zwei Jahren gegenüber der TZ mitteilte, kurz vor Beginn der geplanten Baumaßnahmen Anfang des besagten Jahres abgeschlossen worden.
Der Termin war allerdings hinfällig, als sich der Naturschutz zu Wort meldete und warnte vor schnellen Entscheidungen, da die Möglichkeit bestand, dass es sich bei der ehemaligen Deponie bereits um ein schützenswertes Biotop handelt, das nicht so einfach abgeräumt werden könne. Seither gibt es auch anscheinend keinen aktuellen Stand, was die Sondermülldeponie in Belgern betrifft.

Auf Nachfrage der TZ brachte die GESA demnach erneut zum Ausdruck, dass sie sich ohne das Vorliegen einer behördlichen Verpflichtung dazu bereit erklärt hat, die Rekultivierungsplanung, also die Wiederherstellung von naturnahen Lebensräumen für die Deponie Weinbergfeld Belgern zu erstellen. „Im Auftrag der GESA wurde bereits eine Entwurfsplanung zur Schließung der Deponie von der BGI-Ingenieurgesellschaft mbH erarbeitet, die von der Landesdirektion Leipzig, Referat Abfall, Altlasten, Bodenschutz und Grundwasser als Grundlage für die weitere Bearbeitung der Maßnahmen zur Stilllegung der Deponie als geeignet befunden wurde“, so Gudrun Finger. Im gleichen Zuge betont sie auch, dass während der Erarbeitung der Genehmigungs- und Ausführungsplanung durch die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Nordsachsen darauf hingewiesen wurde, das sich auf Teilen des Geländes geschützte Biotope entwickelt haben und die Naturschutzbehörde daraufhin der GESA mitteilte, dass Eingriffe in geschützte Biotope nicht zulässig sind. „Jedoch können auf Antrag Ausnahmen zugelassen werden, wenn die Beeinträchtigung ausgeglichen werden können“, fährt die Sprecherin fort. Eine konkrete Zeitplanung für die weiteren Planungsschritte und die Umsetzung der Maßnahmen liegt bisher jedoch seitens der Landesdirektion Leipzig noch nicht vor. Ein weiteres sicheres Zeichen, dass bisher noch keine Entscheidungen bezüglich der Sondermülldeponie getroffen wurden, ist, dass auch das Landratsamt Nordsachsen bisher keinen aktuellen Kenntnisstand besitzt. „Die Planung zu dem Vorhaben wird seitens der GESA zuständigkeitshalber mit der Landesdirektion Leipzig abgestimmt. Das Landratsamt Nordsachsen wird im Verfahren durch die Landesdirektion Leipzig beteiligt. In diesem Zusammenhang wäre auch der genannte Ausnahmeantrag zu entscheiden. Jedoch liegen dem Landratsamt Nordsachsen zurzeit keine Planungsunterlagen zur Bewertung vor“, informiert Rayk Bergner, Pressesprecher des Landratsamtes.

In den 50er- und 60er-Jahren wurde auf dem Gelände der Deponie Weinbergfeld in Belgern Ton abgebaut. Erstes Abbaugebiet war das Gebiet Nordfeld, unmittelbar an der B 182 in Richtung Riesa, anschließend wurde das Westfeld I und schließlich das Westfeld II betrieben. Nachdem die Tongruben erschöpft waren, wurden sie mit  verschiedenen Abfällen verfüllt. Die Deponie umfasst eine Gesamtfläche von etwa 77 000 Quadratmetern. Zwischen 1970 und 1990 entsorgte man neben Hausmüll auch sogenannte phenol- und teerhaltige Rückstände aus der Herstellung von Generatorgas. Ebenfalls verfüllt wurden Bauschutt und industrielle Schadstoffe.
Die Inbetriebnahme als Deponie sei nach Angaben der GESA Anfang der 80er-Jahre erfolgt. Zwischen 1986 und 1989 sollen zudem noch zusätzlich etwa 1800 Tonnen toxische Schadstoffe entsorgt worden sein. Hierbei handelte es sich beispielsweise um Farbschlämme, Farbrückstände, Pflanzenschutzmittel und Aschen.

Eine 2008 durchgeführte Grundwasseruntersuchung an drei Stellen der Deponie ergab nach Auskunft der GESA, dass die Geringfügigkeitsschwellwerte (GFS) an einer Messstelle eingehalten wurden. An den beiden anderen wurde der GFS-Wert für den Phenol-Index, LHKW und PAK überschritten. Allerdings seien die Konzentrationen zum Teil wesentlich geringer als bei den vorherigen Messungen 1999. Schon im Jahre 1970, nachdem die Tongruben erschöpft waren, wurde mit dem Verfüllen begonnen. Bis zur Schließung 1992 waren etwa 50 Prozent der Tontagebaurestlöcher verfüllt. Das entspricht in etwa 210 000 Kubikmeter Abfall.