Torgau (TZ/ug). Das Evangelische Jugendbildungsprojekt „wintergrüne“ Torgau ist einer von drei Antragstellern, die im Rahmen des Lokalen Aktionsplanes (LAP) Nordsachsen „Vielfalt leben – Demokratie wagen“ die ersten Fördermittel erhalten. Termin für die Abgabe der Anträge für Projekte zwischen dem 1. März und dem 31. Dezember 2011 war der 15. Februar. Weitere mögliche Antragstermine sind der 15. April 2011 und der 15. Juni 2011. Es stehen in diesem Jahr 100 000 Euro bereit, in den Folgejahren 90 000 und 80 000 Euro. Die Fördersumme beträgt maximal 20 000 Euro für Personal- und Sachkosten. Seit Donnerstagabend, der Sitzung des entscheidenden Begleitausschusses, sind von den Mitteln für dieses Jahr schon 45 000 Euro vergeben. Wie Anja Kohlbach von der Lokalen Koordinierungsstelle informierte, haben recht viele Träger Anträge für den 15. April angekündigt, die sich nach einem ersten Überblick jetzt schon auf etwa 85 000 Euro summieren. Da aber auch noch im Juni Anträge für 2011 eingereicht werden können, wird die finanzielle Decke dünn. „Der Begleitausschuss wird den noch zur Verfügung stehenden Betrag teilen müssen“, sagt Anja Kohlbach.
Außerdem werden sehr hohe Qualitätsmaßstäbe angelegt. Die Projektziele müssen den Leitzielen des LAP wirklich vollumfänglich entsprechen, die Projekte sollen die Zielgruppen aktiv einbeziehen und nachhaltig sein. Weitere Kriterien sind solche konkreten Fragen wie: Welchen Beitrag kann das Projekt zum Abbau gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit leisten und wie sind die tatsächlichen Erfolgsaussichten? Einig ist man sich im Begleitausschuss auch darüber, dass bei gleicher Qualität der Anträge regionale Träger bevorzugt werden.
Diesmal hatten fünf Träger Anträge eingereicht. Fest stand von Anfang an, dass Projekt 1 die externe lokale Koordinierungsstelle ist, die die Umsetzung des LAP weiter begleitet, berät, und organsiert. Träger ist hier der Verein „Demokratie 2.0 e.V.“ mit Sitz im Oschatzer E-Werk. Neben diesem und der „wintergrüne“ hat als dritter Träger der DRK-Kreisverband Eilenburg eine Bewilligung erhalten. Sein Projekt ist die Einrichtung eines lokalen Aktionsfonds, bei dem alle Träger mit einem vereinfachten Antragsformular Projekte bis 1000 Euro beantragen können, übrigens auch nicht rechtsfähige Initiativen, wie Schülerteams, oder lose Gruppen von Jugendlichen und Bürgern. Man muss also nicht Verein sein. Entscheidungsgremium ist hier das Netzwerk „Mein Name ist Mensch“ mit Ansprechpartnern in den Städten Torgau (Antonie Brückner), Oschatz (Andreas Fest), Delitzsch (Matthias Mittmann), Eilenburg (Ron Bräunig) und Schkeuditz (Andreas Pohle).
Jahrelang beklagten „weißen Flecken“ auf der Landkarte der Jugendarbeit im Altkreis Torgau will sich die „wintergrüne“ mit ihrem Jugendbeteiligungsprojekt „Welt der Werte – Demokratie leben“ widmen. Dazu sollen in Belgern, Beilrode, Dommitzsch, Schildau und Torgau jeweils dort ansässige Ansprechpartner auf die Jugendlichen zugehen, die bislang nicht durch örtliche Jugendhilfestrukturen erreicht werden. Das entspricht exakt einem der Leitziele des LAP. Es geht zunächst darum, Kontakte und Grundstrukturen aufzubauen. Ob sich daraus einmal ein Jugendstadtrat, ein Klub oder eine andere Freizeitaktivität mit Bestand entwickelt, ist offen. Inhaltliche Grundlagen sind in der Werteausstellung in der „wintergrüne“ dokumentiert, die dort erfolgreiche Jugendarbeit soll nun quasi „auf dem Land“ eine Erweiterung finden. Wichtig – und ebenfalls ein LAP-Leitziel ist es, dass diese „Pionierarbeit“ und die Erfahrungen dokumentiert und Partnern zur Weiterarbeit beziehungsweise Nachnutzung weitergegeben werden sollen. Problematisch erscheint, dass der Projektzeitraum mit dem Kalenderjahr endet. Doch Anja Kohlbach pflegt da Optimismus: „Die Ergebnisse werden ausgewertet und es sollte natürlich eine Weiterentwicklung des Projektes geben, gegebenenfalls auch mit weiterer Unterstützung auf der Grundlage neuer Anträge. Und wenn es vielleicht nur in dreien von den fünf Regionen klappt, wäre schon viel erreicht.“