7. Juli 2011 Ulrich Milde (Leipziger Volkszeitung)

"Es gibt eine gewisse Dynamik"

Neuer Anlauf zur Gründung einer Wirtschaftsförderungsgesellschaft für Stadt und Kreise

Die Stadt Leipzig, die Kreise Nordsachsen und Leipzig sowie die Industrie- und Handelskammer nehmen einen erneuten Anlauf. Ziel ist die Gründung einer Wirtschaftsförderungsgesellschaft für die Region im ersten Halbjahr 2012.
Neu ist diese Idee nicht. Vorstöße gab es immer wieder. Doch in den neun Jahren, in denen darüber diskutiert und nachgedacht wurde, verliefen alle Planungen bisher im Sand. Die Beteiligten konnten sich weder über die Aufgaben noch die Finanzierung oder gar über den Sitz der Firma einigen. Niemand wollte so richtig Kompetenzen abgeben.
Beim vor Kurzem gestarteten Versuch stehen die Vorzeichen offenbar etwas günstiger. Die Landräte Michael Czupalla (CDU, Landkreis Nordsachsen), und Gerhard Gey (CDU, Landkreis Leipzig) könnten, so heißt es, freier agieren, müssen nicht mehr so große Rücksicht auf Befindlichkeiten in den eigenen Kreisen nehmen wie früher. Beide wurden 2008 in den neuen, größeren Kreisen in ihren Ämtern bestätigt. Beobachter rechnen damit, dass die Landräte bei der nächsten Wahl 2015 nicht mehr kandidieren. Czupalla etwa wird dann 65 Jahre alt.
"Es gab bisher gute Gespräche", bestätigt Leipzigs Wirtschaftsbürgermeister Uwe Albrecht (CDU) der LVZ die leise Zuversicht. Er sei "durchaus optimistisch, es gibt eine gewisse Dynamik des Vorgangs, wir wollen zügig verhandeln". Das sieht Czupalla, seit Jahren ein Befürworter der Überlegungen, ähnlich: "Wir sind auf einem guten und richtigen Weg." Sein Kollege Gey formuliert das so: "Der Startschuss ist wichtig, auch wenn die finanziellen und organisatorischen Bedingungen noch zu klären sind." Er freue sich, sagte Leipzig Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD), dass es gelungen sei, "einen gemeinsamen großen Auftritt für die Wirtschaft in unserer Region vorzubereiten".
"Vor Kurzem trafen sich Albrecht und Czupalla zum Abendessen im Bad Dübener Heide Spa, um die Pläne zu konkretisieren. Danach soll in den nächsten Wochen zunächst festgelegt werden, welche Aufgaben die Wirtschaftsförderungsgesellschaft übernehmen soll. Später wird darüber gesprochen, wer sich mit wie viel Geld an der Firma beteiligt, wie viele Mitarbeiter aus den einzelnen Ämtern in die Gesellschaft wechseln. Zwar gibt es noch keine Entscheidungen, aber klar dürfte sein, dass die Firma Leipzig als Namensbestandteil haben wird. Der Sitz dürfte auch in Leipzig sein, eventuell in der Nähe des Flughafens.
Albrecht begründete die besseren Chancen, die gemeinsame Firma doch noch aus der Taufe zu heben, mit veränderten Zeiten. "Großflächen für Industrieansiedlungen sind knapper geworden." Da sei eine Zusammenarbeit über Stadt- oder Kreisgrenzen hinweg sinnvoll und wichtig. Der sich abzeichnende Fachkräftemangel spreche ebenfalls dafür, gemeinsam zu versuchen, die Wirtschaftsförderung zu intensivieren. "Das sind Punkte, die zur Zusammenarbeit drängen." Entscheidend sei, alles dafür zu tun, damit Arbeitsplätze in der Region entstehen.
Die Rückendeckung der Industrie- und Handelskammer, die als Partner mit im Boot sein soll, hat Albrecht. "Die gesamte Region Leipzig braucht eine einheitliche und starke Wirtschaftsförderung, um im nationalen und internationalen Standortwettbewerb bestehen zu können", so Kammerpräsident Wolfgang Topf. Dazu müssten Strukturen, Ressourcen und Kompetenzen der Stadt Leipzig sowie der beiden Landkreise gebündelt werden. Topf: "Nur so wird es möglich sein, die Vorteile der gesamten Region schlagkräftig im In- und Ausland zu vermarkten." Die Kammer jedenfalls fördere den gesamten Prozess.