1. Juni 2011 Hagen Rösner (Oschatzer Allgemeine Zeitung)

"Es wird wenig entlassen"

Arbeitslosenquote in der Oschatzer Region sinkt auf 12,4 Prozent


Oschatz. Bundesweit ist auf dem Arbeitsmarkt die Zahl der Erwerbslosen unter die Drei-Millionen-Marke gefallen. In Nordsachsen wurde im Monat Mai die 18000-Marke unterschritten. "Wir haben derzeit im Kreis Nordsachsen 17785 arbeitslose Personen", verkündete gestern die Oschatzer Agenturchefin Marlies Hoffmann-Ulrich bei der Vorstellung der aktuellen Regionalzahlen. Damit liegt die Arbeitslosenquote im Kreis Nordsachsen bei 12,3 Prozent und speziell in der Oschatzer Region bei 12,4 Prozent.
Die rasante Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt überrascht selbst die Mitarbeiter der Agentur. Chefin Marlies Hoffmann-Ullrich hätte mit der aktuellen Erwerbslosenquote frühestens im Herbst gerechnet. Dass es dem Arbeitsmarkt zunehmend besser geht, liegt offensichtlich an einem ganzen Bündel von Faktoren. Besonders die anhaltend hohe Anzahl von Beschäftigungsaufnahmen tragen zu dem positiven Trend bei. "Industrie, Bau und Zeitarbeit zeigen sich nach wie vor einstellungsfreudig", sagte Marlies Hoffmann-Ulrich. "Es wird auf der anderen Seite wenig entlassen", so die Agenturleiterin. Auch die Kurzarbeit, die vor genau einem Jahr noch ein wichtiges Arbeitsmarkthema war, ist inzwischen auf das Vorkrisenniveau geschrumpft.
Von der jetzigen Situation profitieren offenbar auch die Arbeitslosen, die vom Jobcenter Nordsachsen betreut werden. "Zwei Drittel der in Arbeit vermittelten Personen kamen vom Jobcenter und ein Drittel aus dem klassischen Arbeitslosenbereich der Agentur", sagt Frank Germer, kommissarischer Geschäftsführer beim Jobcenter.
608 neue Stellen meldeten die regionalen Unternehmen im Mai dem gemeinsamen Arbeitgeberservice von Agentur und Jobcenter Nordsachsen zur Besetzung. Das sind 24 Stellenangebote mehr als im April. Der Großteil entfiel auf die Landwirtschaft mit 106 Stellen, der Zeitarbeit mit 95, das verarbeitende Gewerbe mit 94 und den Baubereich mit 84 Stellen.
Ob der positive Trend über das Jahr anhalten wird, ist momentan nicht abzusehen. "Dafür ist unser Arbeitsmarkt zu sehr von der Konjunkturlage abhängig", sagt Frank Germer. Ein weiter so ransantes Tempo ist für die Agenturchefin Marlies Hoffmann-Ulrich unwahrscheinlich. "Ich glaube eher, dass wir in den kommenden Monaten ein Abflachen der Entwicklung sehen werden. Dies ist zumindest aus unseren Erfahrungswerten heraus abzuleiten", so Hoffmann-Ulrich.
Die veränderliche Lage auf dem Arbeitsmarkt wird bei Unternehmern, Arbeitnehmern, Agentur- und Jobcentermitarbeitern sowie bei Jugendlichen zu einem Umdenken führen.
So haben zunehmend Erwerbslose aus dem Bereich des Jobcenters bessere Arbeitsmarktchancen. Einige Unternehmer werden auf hochqualifizierte Neueinstellungen verzichten oder sich mit etwas weniger qualifizierten Personal begnügen müssen. "Aus dem Bereich der Krankenhäuser wird ein hoher Bedarf an Ärzten gemeldet. Doch diesen Bedarf können wir aus der Region gar nicht abdecken", so Hoffmann-Ulrich. Das führe dazu, dass künftig Ärztestellen gar nicht mehr der Agentur gemeldet, sondern anderweitig besetzt werden. Gute Berufschancen gibt es auch für Hauptschüler. Durch den hohen Lehrlingsbedarf und dem Wendegeburtenknick werden Lehrlinge dringend gesucht.