27. Januar 2011 Gabi Liebegall (Oschatzer Allgemeine Zeitung)

Fiskus wird in Oschatz "entwertet"

Mitarbeiter können sich langfristig auf Schließung des Finanzamtes vorbereiten


Oschatz. Fragen, Spekulationen, Ängste, aber auch Freude machen sich breit, seitdem das Dresdener Kabinett am Dienstag die neue Struktur der Landesbehörden beschlossen hat (wir berichteten). In der Region Oschatz wird vor allem die Entscheidung zum Finanzamt diskutiert. Im Laufe der kommenden zehn Jahre wird es im Landkreis Nordsachsen nur noch ein Finanzamt geben, und zwar in Eilenburg.

Dabei war das Finanzamt so etwas wie eine Wiedergutmachung, weil Oschatz Mitte der 90er Jahre den Status als Kreisstadt verloren hatten, hieß es zur Eröffnung im Jahr 2000. Wie das Oberbürgermeister (OB) Andreas Kretschmar (parteilos) einschätzt, war gestern nicht zu erfahren. Der OB war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.
Für den Steuerberater Willibald Schwaiger bedeutet der Weggang des Finanzamtes, "dass wir im Jahr etwa 500 Euro mehr Porto bezahlen müssen. Aber letztendlich erledigen wir sehr viel per Telefon oder E-Mail. Also, für die Steuerberater ist das dank dank der modernen Technik nicht ganz so tragisch", sagte der Oschatzer Steuerexperte.
Nicht so gut sei die Entscheidung für Bürger, die keinen Steuerberater, aber Fragen haben. Diejenigen müssten dann nach Eilenburg fahren. "Steuerberater erteilen zwar auch Auskünfte, aber eben nicht kostenlos." Deshalb sollte wie bei der Rentenversicherung eine Sprechstunde des Finanzamtes in Oschatz eingerichtet werden, rät Willibald Schwaiger.
Und da gibt es noch eine Frage: Was wird dann aus der Immobilie in der Dresdener Straße? Das Gebäude ist vor elf Jahren mit Millionenaufwand saniert worden. "Das sächsische Kabinett hat eine Standortkonzeption beschlossen, für die bis zum 31. Mai ein detaillierter Zeit- und Kostenplan erstellt werden soll. Erst dann wird feststehen, wann voraussichtlich der Standort des Finanzamtes geschlossen wird", so Stephan Gößl, Sprecher des sächsischen Finanzministeriums. Ebenso entscheide sich dann, wie mit der Immobilie weiterverfahren wird, und wann die Mitarbeiter an anderen Standorten weiter beschäftigt werden. Gößl: "Der gesamte Prozess kann aber durchaus noch einige Jahre beanspruchen."

Zahlen und Fakten Das neue Finanzamt wurde am 19. April 2000 eingeweiht. Es befindet sich auf einem ehemaligen Kasernengelände sowjetischer Streitkräfte, die bis 1993 hier stationiert waren. Saniert wurde das Gebäude vom Freistaat für acht Millionen Mark. Die Behörde galt als Ausgleich für den Verlust des Kreisstadt-Status im Jahr 1994 an die Elbestadt Torgau. Der erste Vorsteher war Regierungsoberrat Hubert Heim, Heinrich-Ewald Lüers übernahm im Sommer 2004 die Behörde, und seit 2007 ist Axel Geck Chef des Finanzamtes.