22. März 2011 Nico Fliegner (Leipziger Volkszeitung)

Für ein zweites Bürgerkraftwerk gibt es Anfragen

Öko-Beirat will mit Städtebund kooperieren


Bad Düben. Der Ökologische Beirat der Stadt Bad Düben hat sämtliche kommunalen Dachflächen in der Stadt erfasst, die sich für Fotovoltaikanlagen eignen. Grund dafür sind zahlreiche Anfragen, ein zweites Bürgersolarkraftwerk zu errichten. Das erste ging Ende vorigen Jahres ans Netz. Dafür wurde das Dach der Heidegrundschule genutzt.
"Interessenten sind da und wir haben in der Stadt ein großes Potenzial an Dächern, die sich für solche Vorhaben anbieten", sagt Günter Dietzsch vom Öko-Rat. Allein die Mehrgeschossbauten Am Schalm, in der Hüfnermark und im Windmühlenweg seien prädestiniert. Ein Großteil befindet sich in Hand der Wohnungsbaugesellschaft, einer 100-prozentigen Stadttochter.
Neben Bürgern gebe es nunmehr auch vermehrt Anfragen von Investoren, die offenbar Gefallen an der Stadt-Philosophie finden - nämlich ökologisch ausgerichtet zu sein. "Das ist gut, denn die haben meistens auch die finanzielle Kraft für größere Vorhaben", so Dietzsch weiter. Als Leiter der Arbeitsgruppe Energieeffizienz innerhalb des Öko-Rates will er neue Initiativen in Bad Düben weiter voran bringen.
Doch der Öko-Rat will künftig auch über die Stadtgrenzen hinaus blicken. "Es gibt den Städtebund Dübener Heide und die Pretzscher Erklärung, wonach die Region im Jahr 2020 energieautark sein soll", erzählt der Öko-Experte. Ein "visionäres Vorhaben", konstatiert er. Dietzsch glaubt allerdings nicht, dass die Vision bereits 2020 Realität sein wird. Doch der eingeschlagene Weg sei richtig. "Es gibt schon hervorragende Beispiele in der Region", hat er recherchiert und nennt die Stadt Gräfenhainichen, die wie Bad Düben Mitglied im Städtebund ist. Einige Vorhaben im Bereich ökologisches Wohnen sind dort bereits umgesetzt worden. Mit dem Stadtentwicklungskonzept hat sich Gräfenhainichen zudem entschlossen, den Weg einer "Stadt mit neuer Energie" zu beschreiten. Dabei will die Kommune eine langfristig angelegte Umbaupolitik einleiten, mit dem Ziel, nicht mehr abhängig vom Öl und von fossilen Brennstoffen zu sein.
Dietzsch, der die Zusammenarbeit zwischen Öko-Rat und Städtebund intensivieren will, begrüßt so etwas und wünschte sich in diesem Bereich größere Initiative in Bad Düben. "Wir brauchen mehr Interessenten und Mitstreiter", sagt er und lobt gleichzeitig, dass der Öko-Rat "durchaus breit aufgestellt" sei. "Was mich weniger befriedigt, ist die nicht erkennbare Unterstützung durch unseren Stadtrat."
Dietzsch wird am Donnerstagabend, wenn das Gremium tagt, einen Bericht über die bisherige Arbeit des Öko-Rates vortragen. Und er wird den Politikern die Ideen und neuen Vorhaben erläutern.