24. Februar 2011 Leipziger Volkszeitung

Geringe Kaufkraft in Nordsachsen

Keine Stadt oder Gemeinde im Landkreis erreicht deutschlandweiten Durchschnittswert

Kreisgebiet (GfK/pfü). Knapp 20000 Euro - das ist die Summe, die in diesem Jahr nach einer Studie der GfK Geo-Marketing aus Nürnberg ein Bundesbürger durchschnittlich an Kaufkraft zur Verfügung hat und die er unter anderem für den Konsum, die Miete oder Lebenshaltungskosten ausgeben kann. Im Landkreis Nordsachsen erreicht keine Stadt oder Gemeinde diesen Durchschnittswert.
Die Gesamtsumme der Kaufkraft in Deutschland taxieren die Konsumforscher für das laufende Jahr auf 1610,2 Milliarden Euro. Das sind 2,6 Prozent mehr als im Jahr 2010. Der durchschnittliche Bundesbürger hat demnach 499 Euro mehr zur Verfügung als im Jahr 2010. Grund für die Prognose: Nach Einschätzung von Wirtschaftsexperten werde sich die konjunkturelle Erholung auch im Jahr 2011 fortsetzen, was unter anderem auf die positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt sowie auf den prognostizierten Zuwachs der Nettolöhne und Rentenzahlungen zurückzuführen ist, heißt es bei GfK Geo-Marketing.
Wie schon in den Vorjahren gibt es bei der Kaufkraft allerdings ein deutliches West-Ost-Gefälle. Diese Aussage gilt gleich doppelt. Zum einen für die Bundesländer: Während Spitzenreiter Bayern und Hamburg mehr als 108 Prozent des Durchschnittswertes zur Verfügung haben, belegen Thüringen (83,9), Sachsen (83,6), Mecklenberg-Vorpommern (83,6) und Sachsen-Anhalt (83,4) die letzten Plätze. Zum zweiten gilt die Aussage auch für den Landkreis Nordsachsen. Während im sogenannten Speckgürtel von Leipzig Machern, Borsdorf, Großpösna, Markkleeberg und Markranstädt mit dem deutschen Durchschnitt mithalten können, fallen die Werte ab, je weiter der Blick von Leipzig weggeht. Taucha, Jesewitz, Krostitz und Schkeuditz erreichen im Altkreis Delitzsch immerhin noch zwischen 88 und 96 Prozent der deutschen Kaufkraft. Der Rest des Landkreises Nordsachsen kommt nicht mehr auf diesen Wert.
Hintergrund Kaufkraft: Die Kaufkraft ist definiert als die Summe aller Nettoeinkünfte der Bevölkerung, bezogen auf den Wohnort. Neben dem Nettoeinkommen aus selbstständiger und nichtselbstständiger Arbeit werden ebenso Kapitaleinkünfte und staatliche Transferzahlungen wie Arbeitslosengeld, Kindergeld und Renten zur Kaufkraft hinzugerechnet. Von diesem verfügbaren Einkommen sind allerdings noch nicht die Ausgaben für Lebenshaltung, Versicherungen, Miete und Nebenkosten wie Gas oder Strom, Bekleidung und das Sparen abgezogen. Folglich bedeutet ein nominaler Anstieg der Kaufkraft nicht zwangsläufig, dass jedem Einzelnen real mehr Geld zur Verfügung steht, wenn die aufgeführten Ausgaben deutlicher ansteigen. Darüber hinaus ist auch zu berücksichtigen, dass die Kaufkraft einer Region ein Durchschnittswert der dort lebenden Bevölkerung ist. Dieser sagt nichts über die Kaufkraft einzelner Individuen, die Kaufkraft je Haushalt oder über die dahinter liegende Einkommensverteilung und damit die Schere zwischen "arm" und "reich" aus.