Bad Düben. Die tragischen Schicksale misshandelter oder gar getöteter Kinder haben zuletzt immer wieder die Schlagzeilen im Land bestimmt. Auch im Landkreis Nordsachsen wird das Thema Kindeswohlgefährdung mit großer Aufmerksamkeit behandelt. So haben mehr als 200 Abgesandte nordsächsischer Schulen und Kindereinrichtungen sowie von freien Trägern in Bad Düben über Gewalt gegen Frauen und Kinder diskutiert.
Organisiert wurde die Regionalkonferenz vom Landespräventionsrat Sachsen und der Kreisverwaltung. Dort zuständig ist die Koordinierungsstelle gegen Extremismus und Gewalt. "Nachdem sich die letzten Konferenzen auf das Extremismusproblem konzentriert haben, sollte diesmal das Tabuthema Gewalt gegen Frauen und Kinder thematisiert werden", so Ordnungsamtsleiterin Antje Vogel. Aktuelles Zahlenmaterial für den Kreis stellte der Verein Wegweiser vor. Demnach suchten im vergangenen Jahr 36 Kinder mit ihren Müttern Zuflucht in dessen Frauenschutzhaus. 24 Kinder waren im Alter zwischen 0 und 5 Jahren, die übrigen 12 im Alter von 6 bis 15 Jahren.
"Sind wir ausreichend organisiert und aufgestellt gegen Gewalttäter im häuslichen Milieu und tun wir genügend, um dieser Form der Gewalt wirksam zu begegnen?", hatte Ordnungsdezernentin Angelika Stoye in ihrer Eröffnungsrede zur Konferenz gefragt. Die Antwort gab Amtsleiterin Antje Vogel danach: "Ich denke, wir sind im Landkreis gut aufgestellt und vernetzt."
Die rege Teilnahme an der Konferenz habe darüber hinaus gezeigt, dass sehr sensibel mit dem Thema umgegangen werde. Problematisch sei allerdings immer noch der entscheidende Schritt hin zum Agieren. Deshalb beschäftigten sich die im Rahmen der Konferenz angebotenen Workshops unter anderem auch mit Kommunikationsfragen. Damit beispielsweise, wie Erzieherinnen auf Kinder und/oder Eltern zugehen können, wenn sie den Verdacht hegen, dass etwas nicht stimmt.
Auch um die richtigen Ansprechpartner im Landratsamt sei es gegangen, so Antje Vogel. Sie hat auch eine allgemeine Telefonnummer für diejenigen parat, die in ihrer Umgebung einen Fall von Kindeswohlgefährdung vermuten. Unter 03435/9846102 ist innerhalb der üblichen Bürozeiten das Jugendamt Nordsachsen zu erreichen. In akuten Fällen ist natürlich auch die Polizei ein Ansprechpartner.