Nordsachsen. Man nehme ein brisantes Thema, die dazu passenden Bürgermeister, die Arbeitsagentur und fertig ist das Spitzengespräch. Im Landratsamt in Eilenburg ging es gestern um die Personalnot in den drei Tafelvereinen des Landkreises. Demzufolge saßen auch die Tafelvorstände am Tisch. Die Beteiligten wollen nun versuchen, das arbeitsmarktpolitische Instrument Bundesfreiwilligendienst (Bufdi) zu beleben und darüber Mitstreiter zu rekrutieren.
Gastgeber und Einlader, Landrat Michael Czupalla (CDU), blickte zuerst auf die leere Kreiskasse. Er habe keine Schatulle, die er öffnen könne. Andere Lösungen seien gefragt. "Wir müssen immer mehr zur Kenntnis nehmen, dass Vereine wie die Tafeln zu Wirtschaftsunternehmen werden. Finanziell können wir sie nicht unterstützen. Wir müssen uns auch allen anderen Vereinen gegenüber rechtfertigen", so Czupalla. Die Tafeln seien Bestandteil der Wohlfahrtspflege. Die Wohlfahrtsverbände wiederum leisten ausschließlich ehrenamtliche Arbeit. Delitzschs Oberbürgermeister Manfred Wilde (parteilos) erinnerte an den Genossenschaftsgedanken und forderte Hilfe zur Selbsthilfe: "Wir müssen die Betroffenen auch ein bisschen in die Pflicht nehmen, sich einzubringen."
Die Delitzscher Tafel beschäftigt sechs Mitarbeiter sowie sechs ehrenamtlich Tätige. Die Vorsitzende, Jutta Faak, benötige "zwingend" einen Fahrer. "Die Ehrenamtlichen kommen, wie sie lustig sind. Ich muss mich verlassen können, wir müssen als Tafel flexibel sein. Das geht nur mit festen Mitarbeitern", so die 69-Jährige. Im vergangenen Jahr hat die Tafel 320 Tonnen Lebensmittel verteilt. Faak spricht von insgesamt 1800 Bedürftigen, die im Altkreis Delitzsch auf Tafel-Essen angewiesen sind.
Bei der Oschatzer Tafel arbeiten zwei geförderte Angestellte sowie 20 Ehrenamtliche. Die versorgen 450 Bedarfsgemeinschaften (einzelne Personen oder Familien, die Hilfe bekommen). Um den Betrieb aufrecht zu erhalten, seien 12 bis 15 Mitstreiter notwendig.
Die Torgauer Tafel arbeitet ausschließlich auf ehrenamtlicher Basis, beschäftigt keine Mitarbeiter. Wöchentlich kommen 1400 Menschen, um sich Lebensmittel - auch in Dommitzsch, Beilrode, Belgern und Dahlen - abzuholen. Aktuell sichern 15 Ehrenamtliche und drei Vorstandsmitglieder den Betrieb ab. Fünf Bufdis sind bereits beantragt, acht weitere sollen noch beantragt werden. Ein Modell, mit dem sich auch Faak anfreunden könne.
Die Probleme traten auf, nachdem die Arbeitsagentur die sogenannten Ein-Euro-Jobber nicht mehr finanzierte, weil diese nicht in den ersten Arbeitsmarkt integriert werden konnten. Heißt: Versuch fehlgeschlagen, Förderung eingestellt.
Die neue Geheimwaffe heißt nun Bundesfreiwilligendienst. Stirnrunzeln und Augenrollen begleiteten die Ersterwähnung des Wortes. Die Bearbeitungszeiten- und Modalitäten seien erschreckend lang und bürokratisch. Czupalla bot an, dass die Wirtschaftsförderung seines Hauses den Tafelvereinen bei der Beantragung hilft. Zudem können Anträge für den Bundesfreiwilligendienst auch bei den Städten und Gemeinden eingereicht werden. Das können übrigens alle Vereine tun, die Bedarf haben. "Wir gehen heute zumindest mit einem Vorschlag auseinander, über den es sich nachzudenken lohnt", so Faak.