24. März 2011 Nico Fliegner (Leipziger Volkszeitung)

Hühnerfarm: Investor spricht von "Stimmungsmache"

Alfra Mockrehna wehrt sich gegen die Behauptungen von BUND und AbL / Entscheidung der Kirchgemeinde zur Landverpachtung offen

Laußig. Der Investor der geplanten Hühnerfarm bei Laußig wehrt sich gegen die vom Bund für Naturschutz Deutschland (BUND) Sachsen und der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) erhobenen Vorwürfe, in der Anlage würden Tiere "gesetzeswidrig gequält". "Deutschland hat die höchsten Normen in Bezug auf Genehmigungen. Der Tierschutz steht oben an, es gibt Kontrollen und wir quälen auch keine Tiere", betont Ruud Hannen, Produktionsleiter Elterntierhaltung bei der Alfra Bruteier Produktions- und Handels GmbH in Mockrehna.
Was BUND und AbL äußerten, habe er mit "Befremden" zur Kenntnis genommen. Es sei "Stimmungsmache". Mit "allen Mitteln" werde versucht, das Vorhaben zu stoppen. Den Organisationen wirft Hannen vor, dass sie ihre Behauptungen nicht auf Faktenmaterial stützten. "Bei uns werden nicht 20 Tiere auf dem Quadratmeter gehalten, sondern zehn", sagte er. "Und ich lege meine Hand ins Feuer, dass wir den Tieren nicht die Schnäbel stutzen oder gar verstümmeln." Selbst der Einsatz von Arzneimitteln sei "die große Ausnahme". Die Herden würden von Tierärzten betreut und regelmäßig geimpft, um eine natürliche Abwehr aufzubauen. Insofern gebe es auch keinerlei kontaminierte Abfälle. Des Weiteren sagte Hannen, dass moderne Lüftungstechnik zum Einsatz kommt. "Es wird kein Mensch etwas riechen", zumal die Anlage ohnehin an die Bahngleise gebaut werden soll.
Tatsächlich hat die Alfra bereits umfangreich dargelegt, mit welchen Gerüchen und Lärm zu rechnen ist und welche Auswirkungen die Aufzuchtanlage auf Natur und Landschaft hat. Prognosen haben ergeben, dass es nicht zu gravierenden Beeinträchtigungen oder schädlichen Umweltauswirkungen kommt. Matthias Henck, Vorstandsvorsitzender der Heideland Agrar AG Bad Düben, widersprach zudem Äußerungen, wonach die Grundstücke in den Ortschaften Laußig und Pristäblich mit der Junghennenaufzucht an Wert verlieren. "Sie können uns glauben, wir als künftiger Nachbar haben ein ureigenes Interesse, dass unsere Flächen und Grundstücke nicht an Wert verlieren." Die Verkehrsbelastung halte sich außerdem in Grenzen. Maximal drei bis vier Lkw würden die Anlage pro Woche an- und abfahren. "Und die fahren auch nicht alle durch Bad Düben", sagte Hannen.
Henck sprach von "unfairen Methoden", von "Arroganz" und "Überheblichkeit, wenn von Leuten Stimmungen und Meinungen verbreitet werden, die die Fakten nicht kennen und von außerhalb ihren Vorurteilen freien Lauf lassen." Zum Thema Kirche äußerte er: "Ich halte es für bedenklich, wenn man hier versucht, die Kirche reinzuziehen und ihr ein schlechtes Gewissen einzureden."
Wie berichtet, steht die Kirchgemeinde Pristäblich vor der Entscheidung, das Land an die Alfra zu verpachten. Kritiker werfen ihr vor, die Massentierhaltung - ein Begriff, der für Hannen immer als Synonym für Tierquälerei missbraucht wird - zu fördern. Heute Abend will der Gemeindekirchenrat sich verständigen. Mittlerweile ist eine Beauftragte für den kirchlichen Dienst auf dem Lande mit dem Thema betraut worden. Sie berät die Kirchenvertreter.
Die Alfra will an der alten Gärtnerei in Pristäblich eine Aufzuchtanlage für Junghennen bauen und etwa 2,5 Millionen Euro investieren. Insgesamt sollen 71000 Plätze für Hennen und Hähne entstehen. Die befruchteten Eier kommen nach Mockrehna in die Brüterei, die Küken werden auf Mastplätzen bis zur Schlachtreife verteilt. "Unser Ziel ist die Einhaltung von kurzen Wegen", sagte Hannen. Pristäblich gewinne, in dem ein Schandfleck verschwinde. Zudem soll mit der Abwärme der Biogasanlage der Heidequell GmbH die Anlage beheizt werden, was wiederum ökologisch sinnvoll sei.