29. November 2010 Frank Hörügel (Oschatzer Allgemeine Zeitung)

Interview - "Bombendrohungen nichts Neues"

Der neue Vorsitzende des Landesfeuerwehrverbandes, Karsten Saack, im OAZ-Interview Oschatz.

Karsten Saack wurde kürzlich zum neuen Vorsitzenden des Landesfeuerwehrverbandes gewählt (wir berichteten). Im OAZ-Interview sagt der Oschatzer, was er sich vorgenommen hat.

Frage: Was ist das für ein Gefühl als Sachsens oberster Feuerwehrmann?
Karsten Saack: Momentan sehr aufregend, es gibt viele Anfragen und Interviewwünsche. Eigentlich liegt es mir nicht so sehr, im Mittelpunkt zu stehen. Ich denke aber, dass sich das wieder ein bisschen geben wird.
Ihr Vorgänger Siegfried Bossack hat auf den Rückgang der beitragspflichtigen Mitglieder von 50 200 auf 48 908 innerhalb von zwei Jahren hingewiesen. Wie wollen Sie diesen Rückgang stoppen?#
Ein Patentrezept habe ich nicht. Die Feuerwehr hängt nun mal an der demografischen Entwicklung. Unser Problem sind die jungen Leute, die bei der Arbeitsplatzsuche für uns verloren gehen. Die Hälfte der jungen Kameraden, mit denen ich als Kreisausbilder zu tun hatte, sind verschwunden. Unser Schwerpunkt ist deshalb die Jugendarbeit. Es werden nicht mehr Jugendliche - aber die wollen wir halten. In der Landesjugendwehr ist die Mitgliederzahl konstant. Wenn wir diese Jugendlichen in die aktive Feuerwehr bekommen, ist das ein Schritt in die richtige Richtung.
Können sich die Kommunen vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung noch eine Vielzahl von kleinen Dorffeuerwehren leisten?#
Wenn die Ortsfeuerwehren geschlossen werden, dann sind diese Mitglieder für die Feuerwehr verloren. Als zum Beispiel die Stadtteilwehren in Thalheim und Lonnewitz vor ein paar Jahren geschlossen wurden, ist nicht ein einziges Mitglied in die Oschatzer Wehr eingetreten. Dazu kommt, dass wir automatisch mehrere Ortsfeuerwehren alarmieren, um die Einsätze abzusichern. Wenn eine Ortswehr geschlossen wird, dann fehlt sie. Vergessen werden darf auch nicht die große Bedeutung der kleinen Feuerwehren für das Dorfleben.
Werden Sie auf eine schnelle Fusion der Kreisfeuerwehrverbände Torgau-Oschatz und Delitzsch drängen?
Nein, das ist nicht Aufgabe des Landesverbandes. Ich gehe aber davon aus: Es gibt einen Landkreis, und es wird irgendwann einen Kreisfeuerwehrverband geben.
Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) hat 1000 zusätzliche Ausbildungsplätze an der Landesfeuerwehrschule in Nardt angekündigt. Gehört damit der Ausbildungsnotstand bei der Oschatzer Wehr der Vergangenheit an?
Nein. Zur Zeit gibt es einen Stau von 8000 bis 9000 Ausbildungsplätzen. 1000 neue Plätze sind deshalb nur eine Teillösung. Auf Mitinitiative des Landesfeuerwehrverbandes wird deshalb derzeit die sächsische Prüfordnung geändert. Größere Städte mit Berufsfeuerwehren wie Dresden, Leipzig und Chemnitz sollen danach die Ausbildung wieder selbst übernehmen können. Dresden baut bereits eine neue Wache mit Ausbildungsstützpunkt, Leipzig hat einen entsprechenden Fördermittelantrag gestellt. Ich gehe davon aus, dass das ab 2013 greift.
Die seit langem angekündigte Feuer-wehrrente gibt es heute noch nicht. Was halten Sie von dieser Rente?
Nicht viel. Wir brauchen statt dessen ein flächendeckendes Anreizsystem für alle Feuerwehrkameraden. Ein System, das sich aus vielen kleinen Pünktchen zusammensetzt. Unser Vorschlag, Gratifikationen mit einer Geldprämie zu verbinden, soll ab nächstem Jahr umgesetzt werden - für zehn Jahre Feuerwehrarbeit soll es 100 Euro, für 25 Jahre 200 Euro und für 40 Jahre 300 Euro geben. Feuerwehrmitglieder sollten bei Einstellungen in kommunalen Einrichtungen wie dem Bauhof vorrangig berücksichtigt werden. Oschatz macht das zum Beispiel bereits. Und dann wäre auch freier Eintritt in öffentliche Einrichtungen sinnvoll. Der Feuerwehrmann muss spüren, dass seine Arbeit anerkannt wird.
Wie reagiert der Landesfeuerwehrverband auf die Terrorwarnung von Bundesinnenminister Thomas de Maizére (CDU)?
Bei unserer jüngsten Verbandsausschusssitzung haben wir das Thema besprochen. Es gibt Handlungsrichtlinien für die Feuerwehren unter verschärften Bedingungen - mehr können wir nicht tun. Unsere Einsätze sind immer mit Gefahren verbunden. Und Bombendrohungen sind für uns nichts Neues.
Bekommt die Oschatzer Wehr mit Ihnen als Landesvorsitzender jetzt schneller ein neues Gerätehaus?
Das hat überhaupt nichts mit meiner neuen Funktion zu tun. Wir sind aber auf einem guten Weg. Die Grobplanung für den Neubau einer Fahrzeughalle ist fast abgeschlossen. Das Geld ist im Haushalt der Stadt verankert. Und ich denke, einem Baubeginn im Jahr 2012 steht nichts im Wege. Die neue Halle soll zwischen dem Gerätehaus und dem Gebäude des Landratsamtes gebaut werden.Fragen: Frank Hörügel