29. November 2011 Frank Hörügel (Leipziger Volkszeitung)

Interview - "Einigkeit macht stark" - Landrat Michael Czupalla über Zukunft der Döllnitzbahn

Oschatz/Mügeln. Michael Czupalla (CDU) war gestern mit seiner Dezernentenrunde auf Werbefahrt mit dem Wilden Robert zwischen Mügeln und Oschatz unterwegs. Die LVZ fragte den Landrat von Nordsachsen während dieser Fahrt, wie er sich die Zukunft der Schmalspurbahn vorstellt.

Frage: Ist das Ihre erste Fahrt mit dem Wilden Robert?
Michael Czupalla: Nein, bei Weitem nicht. Das dürfte meine vierte oder fünfte Fahrt mit der Döllnitzbahn sein.
Warum haben Sie Ihre Dezernenten auf die schmalen Gleise eingeladen?
Um zu zeigen, dass die Döllnitzbahn auch in dieser Jahreszeit attraktiv ist. Wir wollen mit dieser Fahrt ein Zeichen dafür setzen, dass sich der Landkreis mit der Döllnitzbahn identifiziert. Das ist mir auch ein ganz persönliches Anliegen. Mein Großvater und mein Vater waren jeweils etwa 50 Jahre bei der Bahn beschäftigt. Und ich bin in einer Eisenbahnersiedlung aufgewachsen. Die Döllnitzbahn liegt mir deshalb besonders am Herzen.
Der Landkreis beteiligt sich finanziell an der Rettung des Wilden Roberts bis Ende 2012. Kann Nordsachsen der Schmalspurbahn danach weiter mit Geld helfen?
Wir haben jetzt erst mal das Jahr 2012 im Blick. Natürlich müssen wir auch weiter denken, was danach passiert und dafür Perspektiven entwickeln.
Mit Ihrer Dezernentenfahrt wollen Sie dafür sorgen, dass der Wilde Robert regional und überregional im Gespräch bleibt. Reicht diese Einzelaktion dafür aus?
Das reicht nicht aus. Wir zeigen aber damit, dass der Erhalt der Döllnitzbahn ein Thema ist, das nicht unter den Tisch gekehrt werden darf.
Wo sehen Sie Reserven bei der touristischen Vermarktung der Döllnitzbahn?
Wenn wir über eine gemeinsame Wirtschaftsförderung unseres Landkreises mit Leipzig sprechen, dann werden wir auch über die Unterstützung für die Döllnitzbahn reden. Ich wünsche mir, dass wir mehr Fahrgäste aus dem Raum Leipzig, Dresden oder Riesa gewinnen. Auch Fahrten für die Gäste des Heide Spa in Bad Düben mit dem Wilden Robert kann ich mir gut vorstellen. Um die Attraktivität der Bahn zu erhöhen, sollte in die alte Dampftechnik investiert werden. So kann diese Technik auch jungen Menschen nahe gebracht werden.
Im Schülerverkehr fahren nach wie vor Bus und Bahn parallel zwischen Oschatz und Mügeln. Kann sich das der Landkreis leisten?
Der Schülerverkehr ist wichtig für die Bahn, die Fahrpläne sind mit dem Busverkehr abgestimmt. Ich sehe den Erhalt des Schülerverkehrs auch als eine Unterstützung des Landkreises für den Erhalt der Döllnitzbahn. Deshalb sehe ich keinen Änderungsbedarf.
Ab dem Jahr 2013 soll die Döllnitzbahn unter der Flagge eines Verbandes für alle fünf sächsischen Schmalspurbahnen dampfen. Ist dieses Ziel aus Ihrer Sicht realistisch?
Ich sehe diesen Verbund kommen und halte ihn auch für notwendig. Denn Einigkeit macht stark. Interview: Frank Hörügel