24. Juni 2011 Frank Hörügel (Leipziger Volkszeitung)

Interview - Tierschutz wird in Deutschland großgeschrieben

Umweltminister Frank Kupfer im LVZ-Interview zu den Vorwürfen der Grünen-Sprecherin Barbara Scheller

Kreisgebiet. Die Sprecherin der Grünen in Nordsachsen Barbara Scheller sieht in der Erzeugung von alternativen Energie eine Chance für die Kaufkraft. In einem Leserbrief an die LVZ warf sie Umwelt- und Landwirtschaftsminister Frank Kupfer politische Fehler vor. Kupfer weist die Vorwürfe zurück
Frage: Als Sprecherin des Kreisverbandes der Grünen wirft Ihnen Barbara Scheller vor, regionale und alternative Energiegewinnung nicht zu fördern und auch die Erzeugung von Lebensmitteln aus regionalen Kreisläufen nicht zu unterstützen. Trifft sie damit ins Schwarze?
Frank Kupfer: Die Vorwürfe machen deutlich, dass Frau Scheller keine Ahnung hat. Wir tun im Freistaat Sachsen viel, um regionale Wirtschaftskreisläufe zu stärken, um Energieeffizienz zu verbessern oder den Anteil an erneuerbarer Energie auszubauen. Wir haben auch die sächsische Energieagentur, deren Aufsichtsratsvorsitzender ich bin, die sich um die Umsetzung einer nachhaltigen und innovativen Energiepolitik kümmert. Ich glaube, Frau Scheller sollte sich erst einmal informieren, bevor sie Vorwürfe erhebt.
Nach Angaben von Scheller setzen sie auf Braunkohle als Energieträger. Haben Sie als gelernter DDR-Bürger von Braunkohle nicht die Nase voll?
Ich habe nicht erst Fukushima gebraucht, um zu wissen, dass wir keine andere Chance haben, als mittelfristig auf erneuerbare Energien umzusteigen. Die fossilen Energieträger werden weniger, selbst der Rohstoff Uran ist endlich. Deshalb haben wir überhaupt keine andere Chance, als auf erneuerbare Energien zu setzen. Der Ministerpräsident hat unser Ziel genannt: In zehn Jahren soll der Anteil der erneuerbaren Energien am Bruttostromverbrauch in Sachsen bei rund einem Drittel liegen. Wir sind jetzt bei 14 Prozent. Wir sind auf einem guten Weg. Für eine Übergangszeit werden wir nicht auf die Braunkohle verzichten können. Die Braunkohle schafft Arbeitsplätze und ist ein subventionsfreier Energieträger. In dieser Situation, ich meine den Atomausstieg, ohne Not auf die Braunkohle zu verzichten, ist sträflich.
Wie stellen Sie sich das konkret vor?
In der Übergangszeit ist Braunkohle unverzichtbar. Wir müssen Energie anbieten, die erschwinglich ist - für Konsumenten und Unternehmen. Das hat etwas mit Kaufkraft zu tun. Wir müssen dafür sorgen, dass Energie umweltfreundlich erzeugt wird, verlässlich verfügbar und bezahlbar ist. Die Diskussion sollte sachlich, ohne Schaum vor dem Mund erfolgen.
Ein Schaum-vor-dem-Mund-Thema ist die industrielle Tiermast in Nordsachsen. Frau Scheller wirft Ihnen vor, Tiermastfabriken zu unterstützen. Ist das so?
Wir haben in Sachsen eine Förderquote für Investitionen in die Landwirtschaft von 40 Prozent. Zu unterstellen, dass sich dies nur auf große Tierhaltungsanlagen bezieht, ist falsch. Ich freue mich über jeden Betrieb in der ländlichen Region, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, in die Tierproduktion zu investieren. Hier entstehen wichtige Arbeitsplätze. Ich will, dass die regionale Wertschöpfungskette ausgebaut wird. Und da freue ich mich auch über jedes kleine Unternehmen, welches in diesen Bereich investiert. Es bringt uns und dem Tierschutz doch nichts, wenn wir hier die Anlagen verbieten und stattdessen Fleisch importieren, von dem ich nicht weiß, wie diese Tiere gehalten werden. Nirgends in der Welt wird der Tierschutz so hochgehalten wie in Deutschland.
Interview: Frank Hörügel