21. März 2011 Frank Pfütze (Leipziger Volkszeitung)

Interview - "Ziel ist ein besseres Kontroll-System"

Doppik - Landkreis-Kämmerer Kai Emanuel im Kreiszeitungs-Interview

Delitzsch. Die gegenwärtige Einführung der Doppik in der öffentlichen Verwaltung der Kommunen soll die besonderen Bedingungen der Kommunalpolitik berücksichtigen. So wird gefordert, nicht zu Lasten nachfolgender Generationen zu wirtschaften. Die Vorschriften zur Rechnungslegung werden dieser Anforderung entsprechend angepasst. Für die öffentlichen Verwaltungen werden mehr Kostentransparenz, Kostenvorteile und ein insgesamt effizienteres Arbeiten erwartet. Die Umstellung in den Kommunen hat begonnen und soll laut Beschluss der Innenminister bis Ende 2012 abgeschlossen sein. Am 1. Januar 2013 führt auch die Landkreisverwaltung Doppik ein. Die Kreiszeitung sprach dazu mit Kämmerer Kai Emanuel.
Frage: Wie erklären Sie ihrem Sohn, was Doppik ist?
Kai Emanuel: Doppik steht für die doppelte Buchführung in Konten. Die meisten Unternehmen müssen eine Bilanz und eine Gewinn- und Verlustrechnung aufstellen. Bei uns heißt das dann etwas anders: aus der Bilanz wird die Vermögensrechnung und aus der Gewinn- und Verlustrechnung die Ergebnisrechnung. Hinzu kommt eine Finanzrechnung, in der alle Zahlungsvorgänge ausgewiesen werden.
Wozu ist das gut?
Während bisher nur das Verhältnis von Einnahmen und Ausgaben betrachtet wurde, kommen dann der Aufwand und der Ertrag hinzu. Dies führt zu einer genaueren Ermittlung der tatsächlichen Kosten der Verwaltung beziehungsweise der Dienstleistungen. Mit diesem Wissen kann dann eine detaillierte Haushaltskonsolidierung erfolgen.
Wie spürt der Nordsachse Doppik?
Nach außen wird sich nichts spürbar ändern.
Worin besteht der Unterschied zum jetzigen Vermögens- und Verwaltungshaushalt mit Einnahmen und Ausgaben?
Bis jetzt haben wir Einnahmen und Ausgaben, die reine Zahlungsvorgänge in unserem Rechnungswesen nachweisen. Künftig haben wir auch Abschreibungen, Aufwendungen, Forderungen, Verbindlichkeiten mit zu buchen. So, wie es jedes bilanzierende Unternehmen macht.
Also ändert sich der Name und es geht ein wenig weiter in die Tiefe?
Es wird auch weiterhin einen Haushalt geben. Der hat jedoch eine andere Form und beinhaltet ein anderes System. Wir reden zukünftig über Budgets und Produkte.
Ziemlich schwer zu erklären ...
Es ist ein internes Rechnungswesen.
Das heißt?
Eigentlich ist ja ein Betrieb darauf ausgerichtet, Gewinne zu erzielen, Einnahmen und Ausgaben miteinander zu vergleichen - doppische oder kaufmännische Buchführung. Eine Kommune hat im Wesentlichen Aufgaben wahrzunehmen, bei denen kein Gewinn im materiellen Sinne erwirtschaftet werden kann - Straßenbau, Sozialleistungen, Schulen und so weiter. Deswegen wird bei uns die kameralistische Buchführung verwendet. Einnahmen und Ausgaben werden aufgelistet, ohne zu versuchen einen Gewinn zu erwirtschaften. Bis zur Einführung am 1. Januar 2013 gehen auch wir dazu über, die Doppik-Buchführung einzusetzen, einfach, um auch zu sehen, was kostet beispielsweise die Zulassung eines Autos tatsächlich und arbeitet die Verwaltung kostendeckend.
1. Januar 2013, das klingt weit weg. Dennoch laufen die Vorbereitungen bereits. Was machen Sie mit ihren 27 Mitarbeitern der Kämmerei momentan?
Es gibt einen Zeitplan, wie die Umstellung zu erfolgen hat. Wir schulen momentan unsere Mitarbeiter und bilden sie zum kommunalen Finanzbuchhalter weiter. Wenn das abgeschlossen ist, gehen wir an die internen Aufgaben heran, stellen Konten- und Produktpläne auf, erfassen das Inventar und machen eine Bestandserhebung.
Was wird beispielsweise erfasst?
Wir müssen sämtliches unbewegliches und bewegliches Vermögen des Landkreises erfassen und bewerten.
Alles?
Alles! Jeden Schrank, Stuhl, Tisch, jedes Straßenschild, jeden Kilometer Straße, alles, was dem Landkreis gehört. Auch Grundstücke, die mit Straßen bebaut sind, Naturschutzflächen, Parkbänke. Das ist wie eine große Inventur.
Wer bewältigt das?
Die Fachbereiche, die auch für die Bewirtschaftung zuständig sind. Die Straßen erfassen beispielsweise die Mitarbeiter des Straßenbauamtes, in den Schulen die Schulverwaltung. Auf jeden Fall versuchen wir, das mit unseren Mitarbeitern zu erledigen.
Wie kompliziert ist das aus Ihrer Sicht?
Ich sehe die Probleme nicht in den beweglichen Sachen wie Schränken und Tischen. Da wissen wir, wie viel wir besitzen, jedoch ohne den entsprechenden Wert. Komplizierter wird es bei der Bewertung von bebauten und unbebauten Grundstücken oder, wenn es darum geht, den Wert des Wendelsteins am Schloss zu ermitteln. Hier müssen Gutachten erstellt werden, bereitgestellte Fördermittel müssen erscheinen, um einen Wert zu ermitteln.
Welchen Effekt soll das bringen?
Bisher wurden nur Einnahmen und Ausgaben betrachtet. Die tatsächlichen Kosten wurden nicht ermittelt. Wenn ich jedoch Investitionskosten berücksichtige und über die Abschreibung konkret diesen Produkten zuordne, kann ich viel objektiver darüber entscheiden, ob ich eine Aufgabe effektiv umsetzen kann oder nicht. Die Vergleichbarkeit ist dann besser möglich.
Wie wichtig ist es denn, zu wissen, wie viel der Stuhl wert ist, auf dem Sie sitzen?
Es geht darum, tatsächliche Kosten zu ermitteln. Dazu gehören auch Abschreibungen, die dann, wie im Fall des Stuhls, berücksichtigt werden.
Zusammengefasst verursacht Doppik erst einmal viel Arbeit. Welche Effekte, welchen Sinn sehen Sie?
Es soll helfen, die tatsächlichen Kosten zu ermitteln, um dann Entscheidungen treffen zu können, wie diese Kosten gesenkt oder optimiert werden können. Ziel ist ein besseres Kontroll-System, um eine bessere Kostenkontrolle zu erhalten und besser gegensteuern zu können.
Lässt sich das Produkt Doppik in Euro ausdrücken?
Wir wissen, dass die Umstellung viel Geld kosten wird. Aber wir müssen sie machen, weil sie gesetzlich vorgeschrieben ist.
Wie muss man sich die Umstellung vorstellen?
Es wird per 1. Januar 2013 einen harten Schnitt geben. Wir wollen natürlich im Vorfeld versuchen, einzelne Bereiche zu testen. Wir hoffen, das System schnell zum Laufen zu bekommen und können dabei auf die Erfahrungen der Frühstarter zurückgreifen. Mit Schkeuditz haben wir eine Stadt, die mit zuerst umgestellt hat. Auf diese Erfahrungen wollen wir zurückgreifen.
Interview: Frank Pfütze