Delitzsch/Leipzig. Der MDR berichtete am Dienstagabend, dass die Westsächsische Entsorgungs- und Verwertungsgesellschaft (WEV) im Jahr 2008 auf ihrer Deponie in Cröbern hochgiftige Abfälle aus einer Raffinerie in Italien entsorgt hat. Italienische Spezialermittler für Umweltverbrechen erheben wegen der Mülltransporte von Italien nach Sachsen schwere Vorwürfe gegen die WEV, die auch geschäftliche Verbindung zu den Kreiswerken Delitzsch (KWD) unterhält. KWD-Geschäftsführer Heinz Böhmer betonte gestern auf Anfrage der Kreiszeitung, dass sein Unternehmen nichts mit der Deponie in Cröbern und mit dem Giftmüll zu tun habe. "Ich kenne das Material nicht und nehme auch nicht an, dass es in der Aufbereitungsanlage verarbeitet wurde. Nach der Beschreibung des Materials ist das eigentlich auszuschließen. Das heißt, die KWD sind damit nicht in Kontakt gekommen", so der Geschäftsführer.
Die WEV habe verschiedene Geschäftsfelder, unter anderem die Mechanisch-Biologische Aufbereitungsanlage (MBA) und die Deponie. Das giftige Material soll laut MDR deponiert worden sein. Böhmer: "Wir bekommen ausschließlich über die MBA heizwertreiche Fraktionen, die wir zur weiteren Verwertung aufbereiten. Was die WEV auf ihrer Deponie macht, darauf haben wir keinen Einfluss, davon haben wir auch keine Kenntnis". Die Kreiswerke befinden sich nach wie vor "im Konflikt" mit der WEV, es geht unter anderem um Preise und Abnahmemengen (wir berichteten). Es werde verhandelt, um Lösung zu finden, damit die klageanhängigen Sachen gelöst werden können. Böhmer: "Wir sind auf einem guten Weg, eine außergerichtliche Einigung zu erzielen, das ist unser Bestreben."
Hintergrund: Der frühere Landkreis Delitzsch und dessen Kreiswerke hatten sich 2002 vertraglich verpflichtet, dem Zweckverband Abfallwirtschaft Westsachsen (ZAW) und dessen Tochterfirma Westsächsische Entsorgungs- und Verwertungsgesellschaft (WEV), die in Cröbern eine Mechanisch-Biologische Abfallbehandlungsanlage betreibt, 20 Jahre lang Haus- und Gewerbeabfälle zu liefern. Im Gegenzug verpflichteten sich die KWD damals, jährlich bis zu 120000 Tonnen heizwertreiche Fraktionen für die Produktion von Carbo light abzunehmen.