Dahlen. Das Kinder- und Jugendhaus in Dahlen steckt in der Klemme. Die Arbeiterwohlfahrt (Awo) kann die Betriebskosten nicht mehr finanzieren. Deshalb soll nun die Stadt Dahlen einspringen. Derzeit wird über eine Hilfestellung verhandelt. Kommen beide Seiten zu keiner Einigung, steht das Haus auf der Kippe.
"Wenn keine Lösung gefunden wird, wissen wir nicht, wie es weitergeht. Wir können die Kosten nicht allein finanzieren", sagt Leiterin Christine Lenhart. "Es gibt natürlich Befürchtungen, auch die Jugendlichen sorgen sich, dass die Einrichtung schließen muss."
Das Problem begann, als Mitte 2010 die Jugendberufshilfe wegfiel. Bis dahin bekam die Einrichtung über insgesamt zwei Projekte Personal- und Sachkostenzuschüsse des Jugendamtes: für die Jugendberufshilfe, die als Ein-Euro-Job über die Arbeitsgemeinschaft lief, sowie für eine Stelle in der Kinder- und Jugendarbeit. Zum großen Teil konnten so die Betriebskosten finanziert werden. Die trägt das Jugendhaus seit etwa fünf Jahren selbst. Damals hatte die Stadt Vereinen die von ihnen ständig genutzten Räume zur Betriebsführung übergeben. Auch die Arbeiterwohlfahrt (Awo) als Träger des Jugendhauses bewirtschaftete die Gebäude und Räume von nun selbst. "Das ging auch eine Weile ganz gut - bis eben letztes Jahr Zuschüsse wegfielen, ohne die aber die Kosten nicht zu finanzieren sind", erklärt Daniel Schippan vom Awo-Kreisverband Mulde-Collm.
Konkret geht es um etwa 10 000 Euro Betriebskosten jährlich, schätzt Lenhart. Rund 3000 Euro kommen vom Jugendamt, einen Teil bringt die Einrichtung ein, indem sie Putzarbeiten selbst übernimmt. Weil die restlichen Kosten für die Einrichtung auf lange Sicht nicht finanzierbar sind, hatten sich Verantwortliche im September an die Stadt Dahlen gewandt. "Wir haben gebeten, dass man sich Gedanken macht, ob und wie ein Teil der Betriebskosten übernommen werden kann", so Lenhart. Bevor es in die Beratungen zum Haushalt 2011 ging, sei das Thema erneut angesprochen worden, zuletzt bei der Stadtratssitzung. Hier hatten sich Lenhart und Schippan im nichtöffentlichen Teil für das Jugendhaus eingesetzt. "Wir müssen nun weiter beraten. Es wird nochmal um die Fixkosten gehen, um konkrete Summen, die aufzubringen sind", erklärt Schippan. "Aber ich will hier nicht ins Detail gehen und vorgreifen. Wir suchen gemeinsam nach Lösungen und finden hoffentlich auch eine." Die sollte sich in den kommenden zwei Monaten abzeichnen.
Das hofft auch Lenhart. Ihr auf ein halbes Jahr befristeter Vertrag endet vorerst im Juni. "Bis dahin ist die Einrichtung abgesichert, aber was dann? Dahlen braucht ein offenes Haus für die Kinder- und Jugendarbeit", so die Leiterin. "Wir sind für soziale Arbeit da, das ist nicht vergleichbar mit anderen Vereinen, die Einnahmen erwirtschaften können. Die Einrichtung kann sich nicht selbst tragen." Für Kinder und Jugendliche sei sie aber ein zentraler Anlaufpunkt in der Region. Etwa 15 bis 25 Besucher kommen täglich, sagt Schippan. "Das ist gemessen an der Einwohnerzahl eine sehr gute Auslastung."
Bürgermeister Matthias Löwe (WHD) hält sich bedeckt. Ja, es habe eine nicht-öffentliche Beratung mit Stadträten und der Einrichtung gegeben und ja, es müsse eine Lösung gefunden werden. "Wir stehen in Kontakt. Fakt ist, dass wir die Einrichtung nicht schließen wollen und deshalb auch die Fachkraftförderung in den Haushalt eingestellt haben", so Löwe. "Ein paar Dinge müssen aber noch diskutiert werden."