Hof. Tag vier beim Streik der Edeka-Mitarbeiter in Hof: Noch immer gebe es von Seiten der Edeka-Geschäftsführung keinen Termin für Tarifverhandlungen oder ein verhandlungsfähiges Angebot, ärgern sich die Mitarbeiter über das Schweigen aus der Firmenzentrale. Die Edeka-Geschäftsführung bezeichnet den Streik indes als unrechtmäßig: Bereits am ersten Streiktag habe es ein Gesprächsangebot gegeben (wir berichteten).
"Dass es bis heute keine Reaktion von der Geschäftsführung gibt, ist unvorstellbar. Wir werden so lange streiken, bis es ein ordentliches Tarifangebot gibt und haben gutes Durchhaltevermögen", sagt Thorsten Hollas. Der 36-jährige aus Bockwitz bei Belgern arbeitet seit neun Jahren bei Edeka und ist Betriebsratsmitglied. "Ich finde es gut, dass fast alle Lager von Nordsachsen/Bayern/Thüringen streiken, und das zeitgleich."
Seit 16 Jahren steht Maik Lochmann bei Edeka in Lohn und Brot. Der Stauchitzer ist stellvertretender Wareneingangsleiter und bezeichnet die Lohn- und Gehaltsangebote der Arbeitgeber als "unter der Grasnabe". Der 40-Jährige weiter: "Wir haben immer gute Arbeit geleistet und uns wurden bereits Leistungen aus Einsparungsgründen gestrichen. Einen Dank der Firma gab es nie", empört sich der Stauchitzer. "Es sind keine Zustände, wenn innerhalb eines halben Jahres dreimal die Geschäftsleitung wechselt und alles in Grund und Boden wirtschaftet", kritisiert er.
"Ich bin enttäuscht, dass es so weit kommen musste. Ich habe immer gern meine Arbeit gemacht. Uns wird jetzt gezeigt, was wir wert sind", resümiert Sabine Staude (46) aus Ostrau, die seit 17 Jahren als Kommissioniererin im Unternehmen tätig ist.
"Dass ich so etwas noch erleben muss, hätte ich nicht erwartet. Ich habe 17 Jahre für Edeka gekämpft. Es war wie meine Familie. Aber was in den letzten zwei Jahren hier abging, hat mit Familie nichts zu tun", wettert Rudolf Schreiber. "Wir kämpfen bis zum bitteren Ende", betont der 62-Jährige Lichteneichener.
Seit achteinhalb Jahren arbeitet Steffen Berger im Unternehmen. Der Streik ist aus seiner Sicht gerecht, denn schließlich seien auch die Lebenshaltungskosten gestiegen. "Da wollen wir uns mit 1,5 Prozent Lohnsteigerung nicht abspeisen lassen. Man muss auch die Inflation bedenken. Der Arbeitgeber könnte wenigstens Kompromissbereitschaft zeigen", erklärt der 35-Jährige aus Naundorf der OAZ.
Von einem Gesprächsangebot ist Stefan Bräuer, Mitglied der Tarifkommission der Arbeitnehmer, nichts bekannt. "Bis jetzt liegt uns nichts vor, wir streiken also weiter", sagte er gestern. Er wirft der Geschäftsführung vor, die Öffentlichkeit bewusst zu täuschen. "Bisher gibt es weder ein verhandlungsfähiges Angebot, noch einen Termin für neue Gespräche", bestätigt Annelie Schneider, Verhandlungsführerin der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di Sachsen. Um die Auslieferungen aufrecht zu erhalten, setze Edeka Leiharbeiter ein. "Damit soll Druck auf die Streikenden ausgeübt werden, was aber nicht gelingen wird. Die Moral der Streikenden ist auch durch Kündigungsandrohungen nicht zu brechen", so Schneider.