Naundorf/Zschepplin. Der BUND-Landesverband rechnet mit einer Gebühr in Höhe von 47000 Euro vom Landratsamt, wenn sein geplanter Widerspruch gegen die Erlaubnis der Schweinemastanlage in der Gemeinde Zschepplin abgelehnt wird. Die Widersprüche der privaten Einwender im Genehmigungsverfahren - wie in Klitzschen (Gemeinde Mockrehna) schon erlebt - schlagen dann möglicherweise mit zirka 100 Euro zu Buche. Beim Treffen der Schweinemast-Gegner im Naundorfer Saal spielte auch das Geld eine wichtige Rolle.
Die 25000 Euro, die das kreisliche Umweltamt für seine Aufwendungen dem BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschlands) bereits im Fall Klitzschen in Rechnung stellte - hier wurde zu Jahresbeginn eine kleinere, zirka 3000er Mastanlage genehmigt -, seien beglichen worden, informierte Hans-Udo Weiland, BUND-Landeschef, im vollen Naundorfer Gemeindesaal Donnerstagabend auch über die finanziellen Konsequenzen des Widerstandes gegen das Mastprojekt dänischer Investoren. Für den BUND sei der Rechtsweg unumgänglich. Weiland: "Die 25000 Euro wiederzubekommen, wird wohl fünf bis sieben Jahre dauern. Aber wir haben laut jüngster Urteile des Europäischen Gerichtshofes mehr Möglichkeiten." Für private Einwender, war an diesem Punkt den Gesichtern vieler Zuhörer zu entnehmen, wohl noch Überlegungen wert. Deshalb appellierte Weiland an die Solidarität mit den Betroffenen. "Wir sollten die, die sich zur Wehr setzen, das finanzielle Risiko nicht allein tragen lassen." Die Vorsitzende der BUND-Regionalgruppe Zschepplin, Martina Schneider, ließ Listen kreisen, in denen jeder fixieren konnte, welche der nächsten Widerstands-Strategien für die Beteiligten tragbar sind, darunter Protest-, Plakat- Flyer- und Spenden-Aktionen. Bürgern, die ihr Widerspruchsrecht nutzen wollen, bot Weiland über seinen Verband auch rechtliche Hilfe an. "Über die Details werden wir uns im kleineren Kreis verständigen."
Auch Michael Weichert, agrarpolitischer Sprecher der Grünen-Landtagsfraktion, war nach Naundorf gefahren und sicherte Unterstützung zu: "Wir werden eine parlamentarische Initiative starten, damit Nordsachsen keine Schweinebucht wird." Dafür gab es, genauso wie für Weilands Ausführungen und Vorschläge, lautstarken Beifall. Vier neue Arbeitsplätze, hatte Weichert bereits vorab öffentlich gemacht, würden viele Arbeitsplätze im Tourismus und in der Gastronomie auch in der nahen Heide gefährden. Einen Beitrag zur "regionalen Wertschöpfung" zweifelte er an. "Die Anlage produziert für den Export nach Dänemark und wir bleiben auf der Gülle sitzen."
Zschepplins Bürgermeisterin Ros- witha Berkes (parteilos) und Verwaltungschef Frank Pöhler, die an der Bürgerversammlung Donnerstagabend nicht teilnehmen konnten, wollen die Schweinemast-Genehmigung am Dienstag in der Ratssitzung, ab 19.30 Uhr in der Grünen Muldenaue in Glaucha, zum Thema machen. Ob die Gemeinde klagen wird, ist zunächst offen.