1. Juli 2011 Frank Pfütze (Leipziger Volkszeitung)

Katastrophenschutz wird aufgewertet

Landkreisverwaltung präsentiert neue Strukturen / Mehr Technik für Nordsachsen / "Schnelle Eingreiftruppe" geplant

Kreisgebiet. Die Landesregierung hat ein neues Konzept zum Schutz der Bevölkerung vor Katastrophen und großen Schadensereignissen auf den Weg gebracht. Bis Ende dieses Jahres soll es in den Landkreisen umgesetzt werden. Auch Nordsachsen ist angehalten, Technik an geeigneten Stellen zu stationieren und personell zu besetzen. Der Kreis erhält einen Erkundungszug, perspektivisch auch einen Waldbrandzug.
Der Freistaat und damit auch der Landkreis orientieren sich bei der Neustrukturierung an den neuen Gefahrenlagen und Schwerpunkten im Katastrophenschutz. Aufgrund der technischen Entwicklung sind neben dem Retten, Bergen und Löschen auch ABC- (atomar, biologisch, chemisch) und Gefahrgutunfälle in Betracht zu ziehen. "Wenn ein Betrieb mit chemischen Stoffen umgeht oder ein Gefahrguttransporter verunglückt, müssen wir darauf eingestellt sein. Wir müssen aber auch die Technik haben, um dann agieren zu können", sagte Dezernentin Angelika Stoye. Und dazu werde eine "schnelle Eingreiftruppe" installiert. Diese beinhalte einen Erkundungszug mit vier Erkundungswagen. Diese Kleintransporter wiederum sind unter anderem wie ein kleines Labor mit Messtechnik bestückt. So können am Unglücksort Messungen vorgenommen werden, aus denen sich das weitere Rettungsverhalten ableiten lässt. Je nach Ereignis werden Luft, Wasser und Boden überprüft und Gefahren definiert. Bei Bedarf wird auch das Speziallabor in Heyrothsberge (bei Magdeburg) involviert, das für Nordsachsen zuständig ist. Stoye: "Personell sollen vor allem die Kameraden der freiwilligen Feuerwehren die Einsätze absichern, die dazu nach und nach ausgebildet und geschult werden." Die Fahrzeuge des Erkundungszuges werden bis spätestens 2017 in Torgau, Dommitzsch, Schildau und Schkeuditz vollständig stationiert.
Nordsachsen zählt aufgrund seiner großflächigen Waldgebiete wie der Dübener Heide zu den gefährdeten Regionen im Freistaat. Darum sei perspektivisch auch ein Waldbrandzug vorgesehen. Dieser beinhaltet fünf Tanklösch- und ein Führungsfahrzeug für die Waldbrandbekämpfung. Die Einheiten (Löschzüge Retten, Wasserversorgung, Waldbrand sowie die ABC-Erkundungszüge, ABC-Gefahrgutzüge, Führungsgruppen und Einsatzzüge) sollen die örtliche Gefahrenabwehr in den Landkreisen und bei Großschadenslagen sowie Katastrophen auch überregionale Hilfe gewährleisten. "Wir haben in der Vorbereitungsphase mit jedem Wehrleiter und Bürgermeister gesprochen, um die neuen Strukturen auf den Weg zu bringen", so Stoye.