5. Oktober 2011 Frank Pfütze (Leipziger Volkszeitung)

"Kein Beschluss wäre das Beste für die Landwirte"

Die Förder-Schwerpunkte im Delitzscher Land liegen künftig weiter in der Stärkung der ländlichen Wirtschaft, insbesondere der Landwirtschaft. Nach der Plenarsitzung empfing Agrarexperte Andreas Schneider die Nordsachsen zu einer kleinen Inforunde zur bevorstehenden Förderperiode 2014 bis 2020. Die Botschaft des promovierten Beraters: "Alles wird anders, aber nicht besser. Wir müssen Agrarpolitik besser verkaufen. Ich bin enttäuscht darüber, was geplant ist. Es ist vor allem nicht das, was dieses Haus will."

Die EU vertritt die Interessen von 14 Millionen Landwirten. Schneider hofft, dass die Beschlussvorlage am 12. Oktober zurückgewiesen und überarbeitet wird. "Kein Beschluss wäre das Beste für die Landwirte". Es ist damit zu rechnen, dass die vorgesehene Kappung für große Betriebe kommt. Kappung heißt, dass sich Direktzahlungen pro Betrieb auf 300000 Euro reduzieren. "Das ist ein wirtschaftlicher Verlust, der kaum auszugleichen ist", sagte dazu Uta Schladitz, Chefin der Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Landkreises. Neben den bisherigen Umweltauflagen soll ein sogenanntes Greening eingeführt werden, das beinhaltet weitere Maßnahmen. Die wiederum seien notwendig, um Direktzahlungen zu erhalten. Im Rahmen des Greenings steht eine Stilllegung von bis zu bis sieben Prozent der Gesamtflächen zur Debatte. Für Schladitz ist diese "erzwungene Flächenstilllegung nicht mehr zeitgemäß", weil der Boden inzwischen zum Anpflanzen von Biomasse genutzt wird.

Mit Tilo Bischoff (Agrargenossenschaft Hohenprießnitz) war auch ein Landwirt mit nach Frankreich gereist. Für ihn steht fest, dass es Einschnitte gibt und sich die Situation für die Landwirte nicht verbessert. Darum könne auch er mit dem aktuellen Status leben. "Wir wissen nicht, was genau kommt, ob beispielsweise Lohnsummen in die Kappung eingerechnet werden. Wir müssen unsere Befürchtungen äußern und in die Diskussion einbringen. Wir müssen mit der Kommunalpolitik und auch unseren Europapolitikern am Ball bleiben. Hier werden die Weichen gestellt. Leider habe ich auch erfahren müssen, dass die Bürokratie zunimmt", so der Landwirt.