10. Januar 2011 Uwe Gutzeit (Torgauer Zeitung)

Kommt 2015 die Bio-Tonne zurück?

Torgau (TZ/ug). Die Bundesregierung plant ein neues Abfallgesetz. Ab 2015 soll Müll bundesweit noch besser getrennt werden. Bundesumweltminister Norbert Röttgen will damit die Recyclingquoten deutlich steigern. So soll eine „Getrenntsammlungspflicht für Bio-Abfälle“ eingeführt werden. Eine Wertstoff-Tonne soll den gelben Sack ersetzen. In sie dürften dann künftig alle verwertbaren Abfälle wie Plastik, Metalle, Textilien und sogar elektrische Kleingeräte, vom Toaster bis zum Föhn, entsorgt werden, und nicht mehr nur Verpackungsmüll.

Was die Bio-Tonne betrifft, hat Nordsachsen eine völlig entgegengesetzte Richtung eingeschlagen. Im Altkreis Torgau-Oschatz war bereits 2005 die Biotonne abgeschafft worden, weil der Anschlussgrad zu gering und die Vermüllung zu hoch war. Die Kosten getrennter Erfassung waren höher als bei der Entsorgung der Bio-Abfälle mit dem Restabfall. Für den ehemaligen Landkreis Delitzsch hat der Kreistag ganz aktuell in seiner Sitzung vom 8. Dezember 2010 die gemeinsame Erfassung der Rest- und Bioabfälle beschlossen, da diese in einer gegenüber der Kompostierung als gleichwertig einzustufenden mechanisch-biologischen Abfallbehandlungsanlage (Cröbern) verwertet werden. Was also wird aus Röttgens Vorhaben, bundesweit die Biotonne durchzusetzen, in Nordsachsen werden?

Der Fachzeitschrift „Europäischer Wirtschaftsdienst Recycling und Entsorgung“ vom 16. November 2010 ist zu entnehmen, dass das Bundesministerium beabsichtigt, auch Ausnahmen zuzulassen. A.TO-Geschäftsführer Martin Klemm geht davon aus, dass eine Wiedereinführung der Bio-Tonne durch den Landkreis Nordsachsen nicht erfolgen wird. Denn: „Wir haben im Entsorgungsgebiet Torgau-Oschatz aufgrund unserer ländlichen Siedlungsstruktur einen hohen Anteil von Haushalten zu verzeichnen, die in zulässiger und gewollter Weise selbst kompostieren. Die A.TO als vom Landkreis beauftragtes Entsorgungsunternehmen betreibt darüber hinaus für bestimmte Bioabfälle wie Rasen, Laub, Baum- und Heckenschnitt im Zeitraum von März bis November flächendeckend 18 Annahmestellen. Diese Bioabfälle können außerdem zusätzlich ganzjährig auf den Betriebshöfen Torgau und Rechau/Zöschau angeliefert werden. Damit wird der mit dem neuen Gesetz gewollten hohen Recyclingquote bezüglich des Bio-Abfalls bereits in hohem Maße Rechnung getragen.“


Hintergrund:
2010 gab es auf den Betriebshöfen Torgau und Rechau/Zöschau 75 626 Anlieferungen von Baum- und Heckenschnitt, Rasen und Laub durch private Haushalte (davon in Torgau: 45 054). Die erfasste Menge an den 18 Annahmestellen im Entsorgungsgebiet Torgau-Oschatz betrug 2919 Tonnen (davon an den elf Annahmestellen im Altkreis Torgau: 1212 Tonnen).
Die Anlieferungen werden nicht verwogen. Aufgrund der hohen Anzahl (an Samstagen von 8 bis 12 Uhr bis zu 400 allein auf dem Betriebshof Torgau) käme der Betriebsablauf zum Erliegen. Probeverwiegungen und das Verwiegen der Outputmengen (hergestellten Kompost und zerkleinerter Baum- und Heckenschnitt für die thermische Verwertung) ermöglichen die Bestimmung der Gesamtmenge von angeliefertem Material. Hieraus ergibt sich, dass im Entsorgungsgebiet Torgau-Oschatz 2010 etwa 60 Kilogramm Baum- und Heckenschnitt, Rasen und Laub je Einwohner erfasst wurden.