27. September 2011 Torgauer Zeitung

Krankenstand über dem Landeswert

Nordsachsen (TZ). Der Krankenstand im Landkreis Nordsachsen blieb 2010 unverändert. Die Ausfalltage aufgrund von Erkrankungen lagen mit 4,1 Prozent leicht über dem Landesdurchschnitt. Damit waren in der Region an jedem Tag des Jahres von 1000 versicherten Arbeitnehmern 41 krankgeschrieben. Den niedrigsten Krankenstand in Sachsen verzeichnete die Landeshauptstadt Dresden mit 3,3 Prozent. Den höchsten Wert hatte der Landkreis Bautzen mit 4,5 Prozent.

Wie aus dem aktuellen DAK-Gesundheitsreport für den Landkreis Nordsachsen hervorgeht, nahmen im Vergleich zum Vorjahr insbesondere die Ausfalltage aufgrund von Muskel-Skelett-Erkrankungen wie Rückenschmerzen zu. Die Diagnose wurde rund 25 Prozent häufiger gestellt und blieb damit häufigste Ursache für Krankschreibungen im Landkreis. Um rund 23 Prozent zugenommen haben auch die psychische Erkrankungen. Arbeitsausfälle aufgrund von Verdauungssystembeschwerden sanken hingegen um 23 Prozent. Atemwegserkrankungen wie Erkältungen und Bronchitis gingen um fast 14 Prozent zurück. Bei dieser Diagnose lag die Region unter dem Landesschnitt. „Die Höhe des Krankenstandes in Nordsachsen ist ein Signal zum Handeln“, kommentierte Bernd Ebert, Leiter des DAK-Servicvecenter Torgau die Ergebnisse. „Auf dem Weg zu einem gesünderen Leben sind Bewegung, Entspannung und die richtige Ernährung wichtig. Wenn es um den Krankenstand in einem Unternehmen geht, können auch die Arbeitgeber handeln. In Sachen betrieblicher Prävention bieten wir unsere Beratung und Kompetenz an.“ Einen besonderen Akzent setzt die Kasse in diesem Jahr mit einer Aufklärungskampagne zu speziellen Gesundheitsproblemen bei jungen Arbeitnehmern.

Nach einer repräsentativen Befragung beurteilen zwar 80 Prozent der erwerbstätigen Sachsen unter 30 Jahren ihre Gesundheit als gut oder sehr gut. „Gleichzeitig fühlt sich mehr als die Hälfte der Befragten in ihrem Job unterfordert, was langfristig zu Stress und Krankheiten führen kann“, erklärt Ebert. „Junge Menschen wollen ihr Potenzial ausschöpfen, was Arbeitgeber beim Einsatz ihrer Mitarbeiter beachten sollten. Motivierte Kollegen sind in der Regel weniger krank.“ Im Freistaat empfinden 20 Prozent der befragten jungen Erwerbstätigen ihren Arbeitsalltag als „sehr belastend“. Stress und dauerhaft starke Anforderungen können die Belastbarkeit überstrapazieren und gesundheitliche Beschwerden hervorrufen. Nach der DAK-Studie hatten junge Arbeitnehmer in Sachsen in den vergangenen zwölf Monaten vor allem Muskelverspannungen (54 Prozent), Kopfschmerzen (29 Prozent) oder Konzentrationsschwierigkeiten (17 Prozent). 

Junge Arbeitnehmer werden im Vergleich zu ihren älteren Kollegen häufiger krankgeschrieben, dafür aber meist nur aufgrund von kurzen und akuten Erkrankungen wie Erkältungen oder Magen-Darm-Infekten. Auffällig: Psychische Erkrankungen betreffen zunehmend auch Jüngere. Hier ist die häufigste Diagnose bei den 15- bis 29-Jährigen die „Somatoforme Störung“, unter der fast jeder zehnte junge Erwerbstätige leidet. Bei diesem Krankheitsbild kann zum Beispiel für körperliche Beschwerden wie Schmerzen oder Herzprobleme keine organische Ursache gefunden werden. Begleitet sind diese Störungen oft von Depressionen, die bereits bei fünf Prozent der jungen Arbeitnehmer in Sachsen festgestellt wurden.

Für viele Befragte gehört regelmäßiger und starker Alkoholkonsum dazu, um sich nach der Arbeit zu entspannen. Beliebt ist das  „Rauschtrinken“: 32 Prozent der jungen Erwerbstätigen in Sachsen trinken mindestens einmal im Monat fünf oder mehr alkoholische Getränke in kurzer Zeit. Bundesweit waren es mit 34 Prozent etwas mehr. „Der Start ins Berufsleben ist für viele junge Menschen offensichtlich mit größeren körperlichen und psychischen Belastungen verbunden“, betont Bernd Ebert. „Der Schlüssel zur Gesundheit liegt neben Elternhaus und Schule in dieser Lebensphase auch immer im Betrieb.“ Außer der betrieblichen Gesundheitsförderung empfehle Kassen jungen Arbeitnehmern neue Internetangebote zur Entspannung und zur besseren Bewältigung des Alltags.