15. April 2011 Frank Pfütze (Leipziger Volkszeitung)

Kreiswerke - Brennstoff möglicherweise radioaktiv

Delitzsch. Das sächsische Umweltministerium ist darüber informiert worden, dass am Dienstag an eine Papierfabrik in Eisenhüttenstadt (Brandenburg) radioaktiv belasteter Ersatzbrennstoff aus Sachsen geliefert wurde. Diese Medieninformation erreichte die Kreiszeitung gestern Abend.
Der in der Fabrik vor Kurzem eingerichtete Portalmonitor zur Messung von Radioaktivität hatte bei der Annahmekontrolle einer Lieferung der Kreiswerke Delitzsch die Belastung angezeigt. Zur Ursache der radioaktiven Belastung liegen zurzeit noch keine Erkenntnisse vor, heißt es.
Kreiswerke-Chef Heinz Böhmer kannte die Meldung. Er könne sich die Sache nicht erklären. "Ich hoffe, dass sich die Angelegenheit schnell aufklärt. Der Tüv Rheinland untersucht derzeit vor Ort die Radioaktivität der auffälligen Ersatzbrennstoffe. Betroffen ist nicht die komplette Ladung, sondern lediglich ein kleiner Teil davon", sagte Böhmer auf Anfrage der Kreiszeitung. Böhmer wollte nicht über Ursachen spekulieren, räumte jedoch ein, dass es "mal einen Fall gab, wo medizinische Abfälle für erhöhte Werte" gesorgt hätten. "Wir müssen die Untersuchungen abwarten. So lange bleibt der Lkw stehen. Auch bei uns werden Messungen vorgenommen. Wir haben nichts dergleichen feststellen können, schon gar nicht wurde Radioaktivität gemessen", führte der Kreiswerke-Chef fort. Sachsens Umweltminister Frank Kupfer (CDU) erwartet eine "rasche und vollständige Aufklärung" der Umstände, die zu der Lieferung der radioaktiv belasteten Ersatzbrennstoffe geführt haben.
Nach derzeitigen Erkenntnissen stammt das Material aus der Mechanisch-Biologischen Abfallbehandlungsanlage (MBA) Cröbern, die aus Siedlungsabfall Wertstoffe aussortiert. Die MBA Cröbern hat die sortierten Wertstoffe an eine Anlage der Kreiswerke Delitzsch geliefert, in der aus den Materialien Ersatzbrennstoff hergestellt wird.
Wenn nähere Ergebnisse vorliegen, entscheidet der Betreiber der Papierfabrik Eisenhüttenstadt in Abstimmung mit den Fachbehörden über den weiteren Verbleib des Ersatzbrennstoffs, heißt es in der Pressemitteilung.