16. März 2011 Frank Hörügel (Leipziger Volkezeitung)

Krisenfestes Nordsachsen

Landkreis laut Studie des Pestel-Institutes gut gegen Schwankungen der Wirtschaft gewappnet


Nordsachsen. Die Wirtschafts- und Finanzkrise hat der Landkreis Nordsachsen relativ gut weggesteckt. Das hat einen Grund: Nach einer Studie des Pestel-Institutes Hannover ist Nordsachsen krisenfester als die meisten anderen Regionen in Deutschland.
Rangiert Nordsachsen bei Studien zur Wirtschaftskraft oder zum Einkommen meist auf den hinteren Rängen (wir berichteten), ist das diesmal anders. Denn bei der Pestel-Studie zur Krisenfestigkeit wirkt sich eine große Zahl an Industriearbeitsplätzen negativ aus. Diese Arbeitsplätze werden von Wirtschaftskrisen am stärksten beeinflusst. Arbeitsplätze in der Landwirtschaft, von denen es in Nordsachsen relativ viele gibt, sind dagegen krisenfester.
Das Pestel-Institut hat seine Rangliste auf der Grundlage von 18 Indikatoren aus den Bereichen Soziales, Wohnen, Verkehr, Flächennutzung, Energie und Wirtschaft aufgestellt. "Die Indikatoren beschreiben die Verletzbarkeit einer Region", heißt es in der Studie. Die jeweiligen Indikatoren wurden mit Schulnoten bewertet. "Die Note Eins heißt, dass sich die Region im besten Drittel befindet, Zwei heißt Mittelfeld und Drei hinteres Drittel", erläutert Matthias Günther, Vorstand des Pestel-Institutes, auf Anfrage.
Nordsachsens Stärken liegen danach zum Beispiel in einer relativ hohen Mieterquote (flexible Bewohner), einem hohen Anteil an Landwirtschaftsfläche (gut bei einer Versorgungskrise mit Nahrungsmitteln) und einer hohen Windkraftleistung (mildert Energiekrisen ab). Negativ auf die Krisenfestigkeit wirken sich dagegen beispielsweise eine relativ hohe Abwanderung (geringe Attraktivität der Region) und die ebenfalls geringe Ausstattung mit Solarenergieanlagen (anfällig für Energiekrisen).
Im Landratsamt Nordsachsen ruft die Pestel-Studie ein geteiltes Echo hervor. "Erst einmal ist es sehr gut, dass unser Landkreis als relativ krisenfest eingeschätzt wird", sagt Pressesprecher Rayk Bergner. Was unter dem Gesichtspunkt der Krisenrelevanz als positiv eingeschätzt werde, sei jedoch im Alltag gar nicht so positiv. Bergner: "So erweist es sich laut Studie in Krisen als positiv, wenn die Industriebeschäftigtenquote - wie bei uns - nicht zu hoch ist. Und trotzdem wünschen wir uns natürlich einen größeren Anteil an Industrieunternehmen."
Nordsachsen im Umland-Vergleich: In einer Rangfolge der 412 untersuchten Regionen landet Nordsachsen auf Rang 99 - also im besten Viertel. Nur die Stadt Leipzig schneidet im Umfeld mit Platz 91 noch besser ab. Die Nachbarn Landkreis Meißen (Platz 105), Landkreis Mittelsachsen (143) und Landkreis Leipzig (158) sind deutlich krisenanfälliger als Nordsachsen. Spitzenreiter in Deutschland ist die Stadt Heidelberg, Schlusslicht Zweibrücken.