Nordsachsen (TZ/ej). Die Wellen schlugen hoch, als der Zweckverband Nahverkehrsraum Leipzig vor einigen Wochen Kürzungen im Bahnverkehr ankündigte. Auch die Strecke zwischen Torgau und Leipzig sollte betroffen sein. Pendler befürchteten enorme Einschränkungen und Probleme auf dem täglichen Weg zu Arbeit. Mitglieder des Vereins Selbsthilfe Körperbehinderter schlugen sprichwörtlich Alarm. Nachdem sie endlich im Ringen um die Interimslösung zur barrierefreien Überquerung des ersten Bahnsteiges Erfolg hatten, sahen sie den Einsatz von Doppelstockzügen, die einzigen, die für Rollstuhlfahrer nutzbar sind, in Gefahr. Doch inzwischen ist klar – es wird alles halb so schlimm wie nach der damaligen Ankündigung befürchtet. Die Verbandsversammlung des ZVNL hat Mitte vergangener Woche konkrete Entscheidungen zu den besagten Kürzungen getroffen. Und Torgau kommt dabei gut weg.
„Die Züge nach Cottbus (RE 10) beziehungsweise nach Hoyerswerda (RE 11) sind nicht von den Kürzungen betroffen“, formulierte ZVNL-Geschäftsführer Andreas Glowienka noch einmal auf konkrete Nachfrage der Torgauer Zeitung. Reduziert wird jedoch die Mitteldeutsche Regionalbahn (MRB) 115, die bis dato ausschließlich zwischen dem Leipziger Hauptbahnhof, Eilenburg und Torgau verkehrte. Um einige Haltestellen dieser Verbindung künftig dennoch zu bedienen, werden für die bestehenden Linien RE 10 und RE 11 zusätzliche Halte in Jesewitz und Leipzig-Thekla eingerichtet. „Nach momentanen Planungen fährt die MRB 115 weiterhin um 1.24 Uhr und 22.22 Uhr ab Leipzig sowie um 4.03 Uhr und 6.09 Uhr ab Torgau“, so die Ausführungen des ZVNL-Geschäftsführers.
Grundsatz bei allen Kürzungsentscheidungen war, dass kein Bürger von der Mobilität ausgeschlossen werden sollte. „Daher haben wir uns auf Korridore mit mehreren Produkten konzentriert, bekannte langfristige Baumaßnahmen und damit verbundene Sperrungen in die Überlegungen einbezogen und versucht, die Kürzungen weitestgehend auf das Gebiet des ZVNL zu beschränken“, erklärt Andreas Glowienka. ZVNL-Verbandschef Dr. Gerhard Gey betonte im Rahmen der Verbandsversammlung noch einmal, dass er jede einzelne Leistungsreduzierung bedauere. „Aber wir haben seit Bekanntwerden der Kürzungsüberlegungen des SMWA im Herbst 2010 alles auf den Prüfstand gestellt und zusammen mit unseren Vertragspartnern, den Eisenbahnverkehrsunternehmen DB Regio AG und Velio (MRB) nach Möglichkeiten gesucht, zumindest so zu kürzen, dass niemand gänzlich vom ÖPNV abgeschnitten wird“, so Gey in der offiziellen Presseerklärung vom vergangenen Donnerstag.
Laut dieser hat die Verbandsversammlung auch beschlossen, die Auswirkungen der Kürzungen auf die verknüpften Busleistungen in der Region schnellstmöglich zu untersuchen, lokale Ersatzmaßnahmen zu planen und zu finanzieren. So hoffen die Verbandsmitglieder, die im Moment nicht vermeidbaren Verschlechterungen perspektivisch abfangen zu können.
Betroffen von den Kürzungen ist auch die einzige Schmalspurbahn im Verbandsgebiet, die Döllnitzbahn, die zwischen Oschatz und Mügeln verkehrt. Der ZVNL stellt die Finanzierung zum Ende des aktuellen Schuljahres, sprich am 8. Juni dieses Jahres, ein. Das Ende für die Döllnitzbahn ist damit aber nicht besiegelt. Im Gegenteil. Laut Auskunft des ZVNL seien sich alle beteiligten der Bedeutung der Schmalspurbahn für die Region im Klaren und würde nun nichts unversucht lassen, neue Finanzierungsquellen bei der sächsischen Landesregierung zu organisieren. ZVNL-Chef Gey und Leipzigs Baubürgermeister zur Nedden boten Landrat Michael Czupalla und den Vertretern der Döllnitzbahn jedwede Unterstützung an.