Delitzsch/Nordsachsen (TZ). Der Kreistag machte es am 8. Dezember offiziell. Hannes Markert, erster Leiter des nordsächsischen Ordnungsamtes, wurde als neuer Geschäftsführer des kreiseigenen Behindertenzentrums Delitzsch bestätigt. Dort hat Markert ein Metier übernommen, das mit seinem vorherigen Aufgabenspektrum nur noch wenig zu tun hat, kehrte aber gleichzeitig zu seinen Wurzeln zurück.
1960 in Leipzig geboren, verbrachte er seine Kindheit und Jugend zunächst noch in der Messestadt, dann in der Altmark. Die Schulausbildung beendete Hannes Markert schließlich in Berlin. Dort besuchte er anschließend eine Fachschule für Physiotherapie und arbeitet auch als solcher. Weil der 50-Jährige immer schon ein Faible für Verwaltungsaufgaben hatte, war es beinahe folgerichtig, dass er sich in dieser Richtung weiterentwickelte. So kam es, dass er schließlich die Leitung eines Pflegeheims in Potsdam übernahm. In Potsdam war es auch, wo Hannes Markert seine spätere Frau kennenlernte. Die stammte aus Delitzsch, wohin das Paar mit der Hochzeit auch seinen Lebensmittelpunkt verlagerte.
Als die politische Wende und damit das Ende der deutschen Teilung kam, wagte der 50-Jährige den Sprung in die neue Kreisverwaltung Delitzsch. „Ich wollte immer schon in der Verwaltung arbeiten und sah nun die Chance mitzugestalten. Als Sachgebietsleiter im neu geschaffenen Ordnungsamt bekam er sie dann auch. „Wir mussten die bundesdeutschen Gesetzlichkeiten übernehmen. Eine große Aufgabe war es außerdem, die zentrale Bußgeldstelle zu installieren.“ Die wurde unter seiner Ägide ein paar Jahre später auch auf den Altkreis Eilenburg übertragen, der 1994 mit Delitzsch fusionierte. Im Jahr 2000 sattelte Markert innerhalb des Landratsamtes um, wurde Sozialamtsleiter, wechselte sechs Jahre später als Leiter zurück ins Ordnungsamt. In dieser Position ging er auch die Herausforderung der 2008er Gebiets- und Funktionalreform an, deren Ergebnis der Landkreis Nordsachsen war. War es bei der vorherigen Reform „nur“ darum gegangen gleiche Ämter zusammenzulegen, kamen mit der letzten Kreisreform auch neue Aufgaben hinzu. So musste die Forstbehörde ins Amt integriert werden. Auch mit Blick auf die schiere Größe des neuen Kreises, sei die Aufgabe eine Herausforderung gewesen, sagt Hannes Markert, der sich noch genau an seine erste Dienstfahrt durch Nordsachsen erinnert. Denn in Süptitz machten die neuen Kollegen gleich ein schickes Foto vom Chef. „Rechts lag das freie Feld, die Straße war gerade, da bin ich halt gefahren“, berichtet Hannes Markert von einigen km/h zu viel. Dem späteren Verhältnis tat das freilich keinen Abbruch.
Und so schied Markert denn auch mit einer ordentlichen Portion Wehmut aus dem Amt, das ihn so viele Jahre begleitet hatte. „Ich hatte gute Kontakte zu den Kommunen aufgebaut, gute Partner gefunden, tolle Kollegen.“ Letztere hätten ihn aber auch an seiner neuen Wirkungsstätte in Empfang genommen, freut er sich. Immerhin 113 Mitarbeiter unterstehen ihm als Geschäftsführer des Behindertenzentrums Delitzsch. Das verfügt unter anderem über Wohnanlagen, Werkstätten und eine Kindertagesstätte. „Ich habe diese neue Aufgabe mit sehr viel Demut angenommen“, spricht Hannes Markert von „einer großen Herausforderung, soziale Belange mit wirtschaftlichen Interessen in Einklang zu bringen.“ Er habe nun eine sehr dankbare Aufgabe, mit einem direkten Feedback seiner Arbeit, dass er so bei Verwaltungsakten freilich nicht erlebt hätte.
Neben dem Job engagiert sich der 50-Jährige in der CDU. Dort wirkt er im Stadtverband Delitzsch mit und ist Beisitzer im Kreisvorstand Nordsachsen. Das politische Interesse färbt auch auf ein weiteres Hobby ab, das Lesen nämlich. Biographien von Politikern stehen da bei Hannes Markert hoch im Kurs. Derzeit allerdings liest er einen Roman von Robert Merle. In „Der Tod ist mein Beruf“ beschreibt der aus Sicht eines KZ-Kommandanten den Holocaust. Erschütternde Lektüre, so Markert, der in seiner Zeit als Chef des Ordnungsamts immer wieder auch Initiativen gegen Rechtsextremismus unterstützt und initiiert hat – unter anderem das Netzwerk gegen Rechtsextremismus und Gewalt Nordsachsen.