24. September 2011 Frank Pfütze (Leipziger Volkszeitung)

Landkreis baut virtuelles Kraftwerk

Bad Düben. Der Landkreis Nordsachsen beteiligt sich am europäischen Vis-Nova-Projekt, will nachhaltige Energielösungen im ländlichen Raum fördern und Energie effizienter nutzen. Die Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFG) des Landkreises lud am Donnerstagnachmittag zum Auftakt-Kongress ein. Über 60 Partner aus Deutschland, Polen, Österreich und Ungarn nahmen im Saal des Bad Dübener Heide Spa Platz.
Vize-Landrat Ulrich Fiedler (SPD) sprach in seiner Begrüßung von einem "bedeutenden Projekt", auch, weil es die internationale Zusammenarbeit fördert. "Wir gehen damit einen weiteren Schritt in Richtung Bereitstellung, Einsparung und effizienter Einsatz von Energie in der Region", so Fiedler. Wichtig sei dabei, über den Tellerrand zu schauen, andere Ideen aufzugreifen und den eigenen Bedingungen anzupassen. Bad Dübens Bürgermeisterin Astrid Münster (FW) erzählte, dass es seit dem Mittelalter Mühlen in Bad Düben gibt, die alternative Energie liefern.
Die sehr anspruchsvolle Tagesordnung war mit fünf Fachvorträgen gespickt. Die Referenten sprachen zu den Themen Fotovoltaik, dezentrale Stromerzeugung, Energiemix, Biogaserzeugung und Energiestrategien. Für die ausländischen Partner übersetzte eine Dolmetscherin. Mit besonders viel Beifall wurde Thomas Bruckner bedacht. Er zeigte rechtliche Rahmenbedingungen in der Energiewirtschaft auf, aber auch Chancen auf dem Markt und wie sich die Energieerzeugung entwickeln wird. Kohle spielte dabei übrigens keine Rolle.
WFG-Chefin Uta Schladitz informierte, dass es in Nordsachsen bereits eine hohe Wertschöpfung gibt, dass der Landkreis schon heute 43 Prozent seiner Elektroenergie aus eigener Produktion darstellt. Tendenz steigend.
In Ungarn gibt es Thermalquellen, in Österreich riesige Wälder und in Polen Bergbau. Die Partner wollen auch voneinander lernen und feststellen, welche Projekte sich eventuell übernehmen lassen. Nordsachsen will ein virtuelles Kraftwerk errichten und bei den Technischen Werken Delitzsch eventuell einen sogenannten Kontaktpunkt einrichten, wo Informationen ausgetauscht werden können. Schladitz: "Wir tragen momentan Ideen zusammen. Es steht noch nicht fest, wo das Projekt umgesetzt wird. Der heutige Auftakt bietet sehr gute Möglichkeiten, die weitere Zusammenarbeit zu organisieren", so Schladitz. Das virtuelle Kraftwerk soll später einmal zeigen, aus welchen Quellen sich der Stromverbrauch speist und wie ergiebig diese Energiequellen sind.
iDie kompletten Redebeiträge unter www.wfg-nordsachsen.de

Vis Nova heißt das neue Projekt der Europäischen Union (EU). Der Name steht für nachhaltige Energielösungen im ländlichen Raum. Zwölf Partner aus fünf Regionen wollen das umsetzen. Neben dem Landkreis Nordsachsen sind das der Landkreis Schwäbisch Hall, Partner in Österreich, Ungarn und Polen, das sächsische Innenministerium und das Aufbauwerk Region Leipzig. Das Projekt läuft bis Oktober 2014. Aus dem EU-Fördertopf landen 158000 Euro beim Landkreis, weitere 296000 Euro stehen der WFG zu. Die Förderquote beträgt 79 Prozent. Während der Kreis vor allem die Kosten des Personals damit deckt, das sich am Projekt beteiligt, wird die WFG das Geld in Pilotprojekte (virtuelles Kraftwerk) investieren. pfü