Nordsachsen (TZ). Kennen Sie Toodle? Nein? Toodle war DIE Innovation in Sachen Wirtschaftsförderung kurz nach der Jahrtausendwende. Unternehmen, Landkreise und Städte der Region Torgau-Oschatz-Döbeln sollten sich auf einer gemeinsamen Internetseite präsentieren, untereinander austauschen und gegenseitig befruchten. 2004 ging www.toodle.de ins Netz, heute geistert es dort noch immer herum – allerdings größtenteils sinnentleert, voller veralteter Informationen und nicht funktionierender Links.
Nach Lage der Dinge hat es sich auch noch lange nicht ausgetoodelt. Denn das Portal ist das sichtbare Ergebnis eines Projekts namens InnoIRMA, das dazumal mit knapp einer halben Million Euro Fördermittel aus dem europäischen EFRE-Topf gefördert worden ist. Wem so Leben eingehaucht wird, der hat dieses mindestens zehn Jahre lang fortzuführen. Bindungsfrist für investierte Mittel heißt das – wer gegen sie verstößt, muss das Fördergeld zurückzahlen. Und das will keiner.
Doch woran ist Toodle gescheitert? An der Politik, sagt Alexandra Donaubauer. Mit ihrem Unternehmen CHD – ComputerHaus Donaubauer in Dahlen führte sie dazumal das Toodle-Konsortium an. Zu dem gehörten weiter das Technologie- und Gründerzentrum Torgau, die Büro pro GmbH aus Döbeln und die damalige Richter Unternehmensberatung Torgau, heute in Radebeul bei Dresden ansässig.
Die Kreisverwaltungen von Torgau-Oschatz und Döbeln spielten im Toodle-Konzept freilich eine tragende Rolle. Schließlich gaben sie der Seite nicht nur die regionalen Grenzen, sie sorgten auch für die Bespielung der vielen Rubriken der Toodle-Seite. Doch als die Pläne für die spätere 2008er-Kreisreform Gestalt annahmen, begannen die Landkreise, sich aus dem Projekt herauszuziehen, berichtet Alexandra Donaubauer. Die Reformpläne sahen nämlich vor, den Kreis Döbeln von der Region abzukoppeln. Toodle wurde der Boden unter den virtuellen Füßen weggezogen: Während Torgau und Oschatz gen Nordsachsen orientiert wurden, kam Döbeln zu Mittelsachsen und verließ damit auch den Einflussbereich des damaligen Regierungspräsidiums Leipzig. Ohne die Landratsämter verlor Toodle schnell an Fahrt. Als dann auch noch die ersten Unternehmen von Bord gingen, war das Schicksal der elektronischen Standortmarketingmaschine so gut wie besiegelt. Das Konsortium habe sich gegen das Aus gewehrt, erinnert sich Alexandra Donaubauer, und erhebliche Eigenmittel in den Fortbestand investiert. Erfolge seien spürbar gewesen, erste Unternehmen hätten Kontakte über das Netzwerk geknüpft. Als dann jedoch eine Folgeförderung nicht genehmigt worden sei, ging Toodle auf Sparflamme.
Wie lange das so bleibt, ist noch offen. Rechtlich glasklar ist jedoch, dass die Fördermittel dort angekommen sind, wo sie hin sollten.Das bestätigte Stefan Barton, heute Pressesprecher der Landesdirektion in Leipzig, dazumal in der Abteilung tätig, die die Projektförderung bearbeitet hat. Die Verwendungsnachweise seien mit dem Ergebnis überprüft worden, dass alle Mittel zweckentsprechend zum Einsatz kamen. Das Geld sei für die Entwicklung von technischen Strukturen geflossen. Er könne aber nicht in Abrede stellen, dass gerade die technischen Lösungen einen schnellen Alterungsprozess vollzögen. Einen Zusammenhang zwischen Toodle-Niedergang und Kreisreform habe er zwar temporär beobachtet, könne dies aber nicht werten, so Barton.