Nordsachsen (TZ). Der Kreistag soll am 15. Juni den ersten gemeinsamen Nahverkehrsplan für Nordsachsen beschließen. Darin formuliert der Kreis, wie er das Thema Nahverkehr künftig angehen will – beispielsweise welche Linien mit welchen Taktungen bedient werden sollten oder wie Tarifzonen zugeschnitten sein müssen, um der ländlichen Struktur des Kreises zu entsprechen.
Der Plan formuliere den Anspruch, die Qualität des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) zu verbessern und Fahrgäste zu locken. Das klinge in der Theorie zwar gut, sagt SPD-Kreisrätin Dr. Liane Deicke, in der Praxis stoße die aber oftmals an ihre Grenzen. Konkret benennt sie die flexiblen Bedienformen. Das sind unter anderem Rufbusse, die dort zum Einsatz kommen, wo sich regulärer Linenverkehr wirtschaftlich nicht rechnet. Vor allem in ländlichen Regionen ist das der Fall. Doch diese Flexibilität wird bislang nur wenig in Anspruch genommen. Ein Grund könnte sein, dass Nutzer einen Komfortzuschlag dafür bezahlen müssen. „Das geht nicht“, sagt deshalb Dr. Liane Deicke. Sie habe sich in der Diskussion um den Nahverkehrsplan für eine Änderung starkgemacht. Danach soll dieser Zuschlag nur noch anfallen, wenn es eine alternative Beförderungsmöglichkeit gibt. „Wer keine Wahl hat, sollte nicht auch noch bestraft werden“, so die Kreisrätin. Als Beispiel nennt sie den Tauchaer Ortsteil Pönitz. Weil die Bahn den dortigen Haltepunkt aus dem Fahrplan genommen habe, seien die Pönitzer auf eine flexible Alternative angewiesen und müssten derzeit dafür auch noch draufzahlen.
Auf Anfrage der Torgauer Zeitung hieß es gestern aus dem Landratsamt Nordsachsen, dass der SPD-Vorschlag den Weg in die Vorlage geschafft habe, die am kommenden Mittwoch zur Abstimmung steht. Folgt der Kreistag zudem dem Votum des Kreisausschusses, sollte der Zustimmung zum Plan nichts im Wege stehen. Allerdings betont das Amt, dass die Tarifhoheit bei den Verkehrsbetrieben liege.
Grundsätzlich sieht der erste Nahverkehrsplan keine einschneidenden Veränderungen gegenüber den Plänen der Altkreise vor. Nach übereinstimmenden Informationen bleiben sowohl bestehende Strecken als auch Taktungen erhalten. Gescheitert ist wohl ein Antrag, wonach die Verbindung zwischen Mockrehna und Thallwitz in den Rang einer offiziellen Buslinie erhoben werden sollte. Die Pumphutgemeinde wendet nicht unerhebliche Mittel auf, um Schüler aus dem Ort im Kreis Leipzig in die eigene Mittelschule zu fahren. Gebe es eine offizielle Linie, würde das diese Kosten senken.