Oschatz/Torgau (TZ). Das neue Zauberwort heißt Azubi-Bindung. Grußkarten zu Weihnachten und zum Geburtstag, gemeinsame Bowlingnachmittage – all das sollten Arbeitgeber künftig anbieten, um das Wohlwollen ihres künftigen Fachkräftenachwuchses minimal bis zum Ausbildungsbeginn zu sichern. Dass ist keine Träumerei, sondern immer öfter Realität. Denn auch im abgelaufenen Berufsberatungsjahr 2010/11 der Agentur für Arbeit, konnten zahlreiche Unternehmen keine Lehrlinge respektive Azubis ergattern. Im Agenturbezirk Oschatz, zu dem neben dem Altkreis Torgau-Oschatz die Altkreise Muldentalkreis und Döbeln gehören, blieben 133 Lehrstellen unbesetzt.
Besonders das Handwerk ist betroffen. Dagmar Ehnert, Hauptabteilungsleiterin Berufsbildung bei der Kammer, fand aber auch einen positiven Aspekt. „Trotz 200 frei gebliebenen Lehrstellen ist es den Handwerksunternehmen gelungen, in diesem Jahr beim Abschluss von Lehrverträgen einen erheblichen Zuwachs zu erreichen“, resümierte sie für den Kammerbezirk, zu dem neben dem Kreis Nordsachsen auch die Stadt und der Landkreis Leipzig gehören. Die Zahl der betrieblichen Lehrverträge sei im Kammerbezirk von 1134 im Berichtsjahr 2009/10 auf 1233 im Jahr 2010/11 gestiegen – auf den Landkreis Nordsachsen entfiel dabei ein Zuwachs von zwei. Mit genauen Zahlen für Nordsachsen konnte die Industrie- und Handelskammer zu Leipzig (IHK) nicht aufwarten – im analog zur HWK gestalteten Kammerbezirk war jedoch eine Steigerung der betrieblichen Ausbildungsverträge von 2725 auf 2832 zu verzeichnen. Zurück zum Agenturbezirk. Insgesamt hat die Agentur für Arbeit im Zeitraum zwischen Oktober 2010 und Ende Oktober dieses Jahres 1559 Bewerber registriert. Das seien circa 85 Prozent derer, die eine Ausbildungsstelle suchten, so Eckehard Thau, Teamleiter für den Ausbildungsmarkt. Er geht davon aus, dass die übrigen sich in Eigenregie eine Stelle besorgt hätten.
Gleichzeitig registrierte die Agentur 1380 betriebliche Ausbildungsstellen – in der Region Torgau war das Verhältnis 265 Bewerber zu 218 Stellen. Die meisten registrierten Bewerber nahmen tatsächliche eine Ausbildung auf: 932 an der Zahl. Weitere 187 entschieden sich für ein Studium oder einen weiteren Schulbesuch. Bei 259 Jugendlichen liegt der Agentur keine Information zum Verbleib vor. Eckehard Thau geht aber auch hier davon aus, dass entweder eine Berufsaubildung oder ein Studium aufgenommen wurden. 20 Bewerber stehen derzeit noch mit leeren Händen da. Jeder der es wollte, sei vermittelt worden, so Agenturchefin Marlies Hoffmann-Ulrich.
Nach wie vor sind die Unternehmen in der Breite nicht wirklich mit der Qualität ihrer Bewerber zufrieden. Allerdings, so die Erfahrung der Experten, seien die Ansprüche inzwischen gesunken – es werde allerdings keine Abstriche bei den Prüfungsanforderungen geben, betonte die IHK-Abteilungsleiterin Bildung Ines Starke. Die ausbildungsbegleitenden Hilfen der Agentur für Arbeit und auch das Programm Einstiegsqualifikation der IHK könnten auch leistungsschwächeren Lehrlingen und Azubis helfen, die Prüfungen zu meistern.