Schmannewitz (lga). Das Konzept steht: Der Katastrophenschutz im Landkreis Nordsachsen soll ab 1. Juli in neuer Struktur arbeiten. Zuvor musste sich das Landratsamt Kritik von Feuerwehrkameraden der Region Oschatz gefallen lassen (wir berichteten), die sich unzureichend informiert sahen. Am Dienstag stellte Frank Breitfeld, Amtsleiter für Brand-, Zivil- und Katastrophenschutz, dem Kreisfeuerwehrverband (KFV) Torgau-Oschatz das Konzept für Nordsachsen vor. Vier Löschzüge im Brandschutz werden wegfallen. Neu entsteht eine Einheit Waldbrand, in der ABC-Gefahrenabwehr sind zwei zusätzliche Züge vorgesehen. Da der Freistaat noch Fahrzeuge bereit stellen muss, sind bisher noch nicht alle Standorte für die Einheiten festgelegt.
"Es war höchste Zeit, dass sich der Katastrophenschutz nicht mehr nur am Verteidigungsfall, sondern an aktuellen Bedrohungen und Gefahren orientiert", so Breitfeld. 2002 hatten sich Bund und Länder auf eine Reform des Bevölkerungsschutzes geeinigt - unter anderem gaben die Elbeflut und andere Unwetter den Ausschlag. Auf neue Bedrohungslagen soll effektiver reagiert, die Hilfe besser organisiert werden. Zu aktuellen Gefahren zählen Terroranschläge, Unwetter und Flächenbrände sowie schwere ABC-Unfälle - ABC steht für Atomar, Biologisch, Chemisch. Im Dezember 2010 trat in Sachsen eine neue Katastrophenschutzverordnung in Kraft. Verstärkt werden ABC- und Gefahrgutzüge, zudem schafft der Bund analytische und medizinische Spezialeinheiten (Task Forces). Neu sind außerdem Führungsgruppen, und -trupps in den Landkreisen.
Im Kreis Nordsachsen gliedern sich die aufzustellenden Einheiten wie in anderen Kreisen und kreisfreien Städten in ABC-Gefahrenabwehr, Brandschutz, Sanitätswesen/Betreuung und Führung. Für den Löschzug Waldbrand sowie für die Führungsgruppen stehen die Standorte nicht fest. Diese Einheiten finanziert der Freistaat. "Insgesamt steht die Finanzierung des Bundes, im Freistaat wird noch daran gearbeitet. Es sind noch nicht alle Fahrzeuge vorhanden, aber im Einsatzfall stehen genug zur Verfügung. In den nächsten Jahren werden die Fahrzeuge vervollständigt." Für die Einheit Waldbrand kämen Bad Düben und Wildenhain als mögliche Standorte in Frage.
Fest stehen die übrigen: Der neue ABC-Erkundungszug ist in Torgau stationiert - zur Einheit gehört auch Dahlen. Statt einem wird es künftig zwei Gefahrgutzüge geben, in Delitzsch sowie in Schildau (hierzu zählt auch Oschatz). Bei den Brandschutzeinheiten sind die Züge Retten in Taucha und Döbrichau (zu dieser Einheit gehören auch Schmannewitz und Oschatz) und die Züge Wasserversorgung in Hohenprießnitz und Dommitzsch stationiert. Die Betreuungs- und Sanitätseinheiten werden zu Einsatzzügen zusammengefasst. Drei Züge soll es geben, die für die Bereiche Torgau/Oschatz, Delitzsch (beide in Zuständigkeit des DRK) und Eilenburg/Taucha (DRK Eilenburg und ASB Taucha) bereit stehen.
Für den KFV-Vorsitzenden Frank Reichel sind mit der Vorstellung des Konzeptes Unklarheiten beseitigt: "Wir haben nun eine Arbeitsgrundlage, an der wir uns orientieren können. Das sehen auch die Kameraden so."
Katastrophenschutzordnung Sachsen
ABC-Gefahrenabwehr: 20 Gefahrgutzüge, 10 Erkundungszüge
Brandschutz: 20 Löschzüge Retten, 20 Löschzüge Wasserversorgung, 3 Löschzüge Waldbrand
Sanitätswesen/Betreuung: 3 Medizinische Task Force, 30 Einsatzzüge
Führung: 10 Führungsgruppen (FG) Brandschutz, 10 FG Sanitätswesen und Betreuung, 10 Funktrupps
4 Wasserrettungs-, 2 Bergrettungsgruppen, 2 Rettungshundestaffeln
Katastrophenschutz Nordsachsen
ABC-Gefahrenabwehr: 2 Gefahrgutzüge und 1 ABC-Erkundungszug
Brandschutz: 2 Löschzüge Retten, 2 Löschzüge Wasserversorgung, 1 Löschzug Waldbrand
Sanitätswesen/Betreuung: 3 Einsatzzüge. Zudem werden eine Führungsgruppe Brandschutz, eine FG Sanitätswesen- und Betreuung sowie ein Funktrupp gebildet.
Frank Breitfeld (l.) vom Landratsamt Nordsachsen stellt im Feuerwehrgerätehaus Schmannewitz das Konzept für den Katastrophenschutz im Kreis vor. Am 21. Juni will Landrat Michael Czupalla (CDU) die Zugführer der Einheiten bestimmen.