8. Juli 2011 Karin Rieck (Leipziger Volkszeitung)

Mehr und weniger Provokantes - BUND und Bürger sammeln Spenden

Schweinemast-Gegner verlangen von Politikern mehr Einfluss

Naundorf. "Schweinebucht Nordsachsen?" - unter diesem provokanten Motto für ihre Vorträge und Debatten hatten die Vertreter der Landtagsfraktion Bündnis 90/Grüne die Hoffnung geweckt, dass sie für die Zscheppliner und ihren Kampf gegen eine neue Schweinemastanlage in der Gemeinde mehr tun können, als sich zu Beginn des Abends im Naundorfer Gasthof Am Schenkteich Mittwochabend zunächst andeutete: Zu dem Film der Tierschutzorganisation Peta über unsägliche Zustände in einer Schweinemastanlage bei Siegen, der zunächst eingespielt wurde, hieß es später in der Diskussion: Das sei alles gut bekannt. "Wir sitzen schließlich hier, um etwas gegen diese Zustände zu tun", hieß es unter dem Beifall der Anwesenden im Publikum.
Schließlich demonstrierte Erhard Aubel vom gemeinnützigen Verein zur Beratung über Artgerechte Tierhaltung (Internet: www.bat-witzenhausen.de), quasi im "Schweinsgalopp" Möglichkeiten, mit denen das Interesse der Menschen an saftigen Schnitzeln mit den wichtigsten Bedürfnissen der Tiere vernünftig in Einklang gebracht werden können. "Gute Lösungen sind aber auch etwas teurer", so der Fachmann.
Ein Anknüpfungspunkt für Markus Horn, landwirtschaftlicher Berater der Landtagsfraktion, der versuchte, Antworten auf diese Frage zu geben: Wer verdient und wer zahlt drauf beim Schweinemarkt? Das Dilemma für hiesige Tierproduzenten sei, dass sie sich der Konkurrenz derer stellen müssen, die mit wesentlich geringeren Anforderungen an Tier- und Umweltschutz konfrontiert sind und damit geringere Produktionskosten haben. Im Durchschnitt fielen momentan 1,30 Euro pro Kilogramm Fleisch an. Ein USA-Konzern, der in Osteuropa Mastanlagen für bis zu 100000 Tiere plane, könne diese Kosten auf 90 Cent drücken. "Die Zahl der Schweinefleisch produzierenden Betriebe hat sich zwar auf 65 Prozent reduziert, aber die Bestände haben sich verdoppelt", deutete Horn an und widerlegte mit weiteren Zahlen die in Sachsen immer wieder verbreitete Argumentation von einem zu geringen Selbstversorgungsgrad. 40 Prozent des deutschen Schweinefleisches würde exportiert, davon 25 Prozent in Drittländer außerhalb der EU. Der Selbstversorgungsgrad liege in Deutschland bei 110,2 Prozent, mit einer Steigerung von drei Prozent gegenüber 2008. All diese Zahlen ändern aber nichts daran, dass nur in Sachsen, Thüringen und Brandenburg weitere Investitionen gefördert werden. Deshalb forderten die Schweinemast-Gegner die Landtagspolitiker auf, ihren Einfluss zu verstärken, auch wenn dafür manchmal ein langer Atem benötigt wird. 

BUND-Mitglieder und Bürger von Zschepplin sind zurzeit in den Dörfern der Gemeinde sowie in Eilenburg unterwegs, um Spendengelder für bevorstehende Klagen gegen die vom Landratsamt Nordsachsen genehmigte Schweinemastanlage in Krippehna einzusammeln. Die Vorsitzende der BUND-Regionalgruppe Zschepplin, Martina Schneider, stellt fest: "Das Landratsamt Nordsachsen hat leider den für beide Seiten teuren Weg der Klagen, den wir stets verhindern wollten, beschritten. Bürger und der BUND sind nun gezwungen, diesen Weg zu wählen, weil sie nicht hinnehmen möchten, dass wegen der Schaffung von nur vier Arbeitsplätzen und einer vermutlich fast vollständig aus Fördergeldern geschenkten Anlage auch Ihre zukünftige Lebensqualität, Ihre Gesundheit, Ihre dörfliche Idylle, Ihr Grundwasser und die Umwelt zerstört werden sollen." Deshalb werden die Einwohner der Region aufgerufen zu spenden. Kosten von zirka 80000 Euro sind vorerst kalkuliert worden. Ab zehn Euro gibt es auf Wunsch Spendenquittungen. kr