12. November 2010 Frank Hörügel (Oschatzer Allgemeine Zeitung)

Messlatte bei zehn Prozent

Neue Chefin der Oschatzer Arbeitsagentur peilt 2012 einstellige Erwerbslosenquote an

Oschatz. Erstmals in der Geschichte der Arbeitsagentur Oschatz steht eine Frau an der Spitze der Behörde - Marlies Hoffmann-Ulrich. Ihr Ziel: Im Laufe des Jahres 2012 will sie die Zehn-Prozent-Marke bei der Erwerbslosenquote im Amtsbezirk Oschatz knacken.
Frage: Bis Ende Oktober waren Sie die Chefin der Arbeitsagentur Pirna. Warum wechseln Sie von Pirna nach Oschatz?
Marlies Hoffmann-Ulrich: Das geschieht auf meine Initiative. Da mein Lebensmittelpunkt seit 1998 in Halle ist, hatte ich schon längere Zeit den Wunsch, näher an der Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt zu arbeiten. Mit der Stelle in Oschatz hat für mich ein völlig neues Leben begonnen. Ich kann jeden Tag pendeln und muss mich nicht mehr auf eine Wochenendbeziehung mit meinem Mann beschränken.
Ende Oktober lag die Erwerbslosenquote in Pirna bei 8,7 Prozent, in Torgau-Oschatz bei 11 Prozent. Sind Pirnaer Verhältnisse die Zielmarke für Oschatz?
Meine Zielmarke ist es, im Laufe des Jahres 2012 in Oschatz unter die Zehn-Prozent-Marke bei der Erwerbslosenquote zu kommen.
Lassen sich Ihre Erfahrungen aus der Arbeitsvermittlung in Pirna 1:1 auf Oschatzer Verhältnisse übertragen?
Zum Teil. Die Pendlerstruktur Pirna-Dresden und Oschatz-Leipzig ist ähnlich. Pirna hat die meisten Pendler in Sachsen, Oschatz liegt nur etwas darunter. In Pirna herrschen jedoch andere Verhältnisse durch die nur 40 Kilometer entfernte tschechischen Grenze. Da spielt das Thema Arbeitnehmerfreizügigkeit ab 2011 eine große Rolle. In dieser Hinsicht ist es in Oschatz bedeutend ruhiger.
Am 8. Dezember entscheidet der Kreistag über die Zukunft der Arbeitsvermittlung in Nordsachsen ab 2012. Sind Sie für eine Fortsetzung der Zusammenarbeit von Arbeitsagentur und Landkreis Nordsachsen in der Arbeitsgemeinschaft (Arge) oder soll sich Nordsachsen künftig allein um die Langzeitarbeitslosen kümmern?
Ich bin von der gemeinsamen Einrichtung der Arbeitsgemeinschaft überzeugt. Im Hinblick auf die Entscheidung am 8. Dezember kann ich nur dafür plädieren, dass sich die Kreisräte an die bisherige gute Zusammenarbeit erinnern.
Warum ist die Arbeitsgemeinschaft aus Ihrer Sicht die bessere Lösung?
Weil die gemeinsame Einrichtung auf Kooperation setzt und nicht auf Spaltung des Arbeitsmarktes. Weil man etwas gut funktionierendes wie die Arge leichtfertig aufgeben würde zugunsten einer kostenintensiven kommunalen Parallelstruktur. Knapp die Hälfte der Eingliederungsmittel der Arge fließt jetzt in den zweiten Arbeitsmarkt. Es wäre fatal, wenn dieser Bereich wächst und der auf reguläre Beschäftigung ausgerichtete Bereich schmilzt. Das kann ich keinem Betrieb erklären.
Laut Nordsachsens Landrat Michael Czupalla (CDU) dürfte dieser Unterschied doch bald verschwunden sein, wenn es ein gemeinsames Stellenangebot von Arbeitsagentur und Optionskommune geben wird ...
Diese Aussage des Landrates ist ein Wunsch, den auch der Deutsche Städtetag hat. Dennoch bleibt es aber nur ein Wunsch, der nicht realisierbar ist. Der Datenschutz macht das unmöglich.
Die Chefs der Arbeitsagentur Oschatz haben in den vergangenen Jahren häufig gewechselt. Wie lange bleiben Sie?
Ich bin angetreten, um hier zu bleiben. Und ich würde sehr gern weiter in einer Arbeitsgemeinschaft mit Herrn Czupalla zusammenarbeiten, den ich als kompetenten Mann kennen gelernt habe.Fragen: Frank Hörügel