Herzberg/Torgau (TZ). Die Landkreise Nordsachsen, Elbe-Elster und Wittenberg wollen künftig gemeinsam an einem Projekt namens MORO arbeiten. Darin geht es in aller Kürze darum, die Lebensqualität im ländlichen Raum anzuheben. In der vergangenen Woche besuchte eine Delegation des nordsächsischen Landratsamtes den brandenburgischen Nachbarkreis, um in Herzberg unter anderem erste Absprachen für das Projekt zu treffen. In den nächsten Tagen soll es auch ein Treffen mit Vertretern des sachsen-anhaltischen Landkreises Wittenberg dazu geben. Aufgelegt wurde MORO vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung vor dem Hintergrund des demografischen Wandels, der besonders ländliche Regionen hart trifft.
Das Ministerium war es auch, das die Zusammenarbeit der drei Kreise angeregt hat. Die über MORO entwickelten Strategien könnten sich auf die technische Infrastruktur (Verkehr, Handel, Dienstleistungen) und die soziale Infrastruktur (Kinderbetreuung, Gesundheitsfürsorge, Altenpflege) auswirken. Darüber hinaus wird über Strategien zur Schaffung eines positiven Bildungsklimas und der langfristigen Fachkräftesicherung nachgedacht. Punkte sind außerdem familien- und generationenübergreifendes Miteinander sowie ehrenamtliches Engagement. Wie sowohl die Kreisverwaltung Elbe-Elster als auch das nordsächsische Landratsamt nach dem Treffen in Herzberg mitteilten, werden von nun an die Drähte zwischen beiden Häusern „glühen“, wird sich auf der Arbeitsebene intensiv um MORO gekümmert. Bis Mitte kommenden Monats muss ein fertiges Konzept nach Berlin geschickt werden. Für Oktober hat Landrat Czupalla seinen Amtskollegen Jaschinski für weitere Gespräche nach Torgau eingeladen.
In Herzberg mit am Tisch saßen auch die Wirtschaftsförderer beider Kreise, Uta Schladitz für Nordsachsen und Eberhard Stroisch (Elbe-Elster). Kooperationen in diesem Bereich wurden also auch andiskutiert. Auf Brandenburger Interesse stießen die Ausführungen der Nordsachsen, dass in der Region Leipzig darüber nachgedacht werde, eine große regionale Wirtschaftsförderungsgesellschaft zwischen ihrem Kreis sowie der Stadt und dem Landkreis Leipzig zu gründen. Dieses Gebilde solle auch die Nachbarn wie den Landkreis Elbe-Elster einbeziehen, teilte dieser nach dem Treffen mit. Dabei gehe es neben der reinen Wirtschaft auch um Landwirtschaft, Tourismus und Kultur.
In größeren Dimensionen zu denken und zu handeln, erklärten beide Landräte unisono zum Ziel. Gemeinsame Projekte über die Landesgrenzen hinweg würden die Chancen auf Fördermittel aus der Europäischen Union deutlich erhöhen, so der gemeinsame Tenor. Kooperationen streben die Kreise beispielsweise im Bereich der Energiepolitik an. Beide betrachten sich in diesem Punkt als gut aufgestellt – 43 Prozent der in Nordsachsen hergestellten elektrischen Energie wird nach eigenen Angaben mit regenerativen Energieträgern erzeugt. Der Elbe-Elster-Kreis bezeichnet sich selbst in puncto erneuerbare Energien als Vorreiter in Brandenburg.