Sausedlitz. Ein (Schw)Einheitsdenkmal, ausgeprägtes Wir-Gefühl und die Zukunftsvision des touristisch genutzten Seelhausener Sees immer fest im Blick. Mit diesen Zutaten hat der Löbnitzer Ortsteil Sausedlitz den Wettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft" auf Kreisebene gewonnen, vertritt Nordsachsen nun auf Landesebene (wir berichteten). Ein Besuch verrät, wie die 263-Seelen-Gemeinde zum Erfolg gekommen ist.
Ohne den Mauerfall, ohne die Einheit - kein Sausedlitz. Vor 25 Jahren begann die Umsiedlung für die Kohle. Das kleine Dorf sollte weg, die großen Bagger hin. Zählte der Ort 1980 noch 500 Einwohner waren es zehn Jahre später schon 300 weniger. An der Heimat hielten Sausedlitzer wie die ehemalige Bürgermeisterin Gertrud Dross dennoch fest: "Wir haben uns gesagt, dass wir erst gehen, wenn der Bagger vor der Tür steht", erzählt die heute 88-Jährige. Den Baggern ist Sausedlitz mit der Wende von der Schippe gesprungen, "hatte Schwein", wie der Löbnitzer Bürgermeister Axel Wohlschläger (CDU) sagt.
Genau das, den eigenen Ortsnamen und die ansässige Schweinemastanlage, einer von 20 Arbeitgebern im Ort, feiert das Dorf seit Juli mit einem Denkmal, das wohl seinesgleichen im Landkreis suchen dürfte: Drei gut 1,5 Meter hohe proppere Betonschweine tanzen inmitten einer Tagebaulandschaft breit grinsend auf Kohlen, die mit Einbruch der Dunkelheit zu glimmen beginnen. Auch sie haben die Jury überzeugt: Die drei Schweine würden "auf lustige und hintersinnige Art" verdeutlichen, wie sich Identifikation mit dem eigenen Dorf anfühlt. Und nicht weniger steckt dahinter: Rund 20000 Euro kostete das Denkmal, 90 Prozent kamen aus dem Förderprogramm "Friedliche Revolution und Deutsche Einheit", den Rest des Geldes investierte die Gemeinde trotz klammer Kassen, indem Sausedlitz auf Unterstützung fürs eigene Dorffest verzichtete und es mit Sponsorenhilfe selber stemmte. Die Patenschaft fürs Denkmal hat die Jugendfeuerwehr Sausedlitz übernommen, achtet darauf, dass sich niemand am neuen Wahrzeichen vergreift. Zum Dank an alle Bürger tragen die drei Schweine nun eine Krone aus Blättern. "Das ist unser Lorbeerkranz dafür, dass alle Bürger beim Wettbewerb tatkräftig mitgemacht haben", erklärt Planerin Christine Schiemann, die federführend bei Denkmalgestaltung und Wettstreit dabei war.
Zur Schweinerei mitten im Dorf kommen eine eigene Hymne, Musik- und Theaterstück über die Dorfgeschichte, eigenes Logo und T-Shirts sowie die Grundversorgung mit einem Nachbarschaftsladen, der wichtiger Anlauf- und Treffpunkt ist. Initiativen, die die Jury als "ausgeprägtes Wir-Gefühl" lobt. Und das soll in Zukunft weiter gestärkt werden, im Zuge des Dorfwettbewerbs wurde so zum Beispiel die Dorfkeule wiedergeboren: Vier Holzbrettchen mit Nachrichten und Terminen gehen nun von Haus zu Haus. "Das ist die Pflege einer alten Tradition und soll die Leute miteinander in Kontakt halten und zu Gesprächen anregen", erklärt Christine Schiemann den Hintergrund. Schließlich gehe es auch künftig darum, die Gemeinschaft mit verschiedenen Mitteln zu stärken. Sausedlitz darf sich in nächster Zeit selbst für den Sieg bei "Unser Dorf hat Zukunft" feiern: Am 17. Dezember steht ein großes Winterfest an, um auf Weihnachten einzustimmen und ganz offiziell mit allen Bürgern auf den Erfolg anzustoßen.
Das Wir-Gefühl der Gemeinde ist bei der nächsten Auflage von "Unser Dorf hat Zukunft" gefragt, wenn das Pferdedorf Löbnitz zunächst auf Landkreisebene ins Rennen geschickt werden soll, wie Bürgermeister Axel Wohlschläger bereits ankündigt.