Torgau/Nordsachsen (TZ). Eine bittere Erkenntnis zog sich gestern durch die gesamte Regionalkonferenz zur medizinischen Versorgung in Nordsachsen: Es tobt ein bundesweiter Kampf um junge Ärzte und der hiesige Landkreis führt in diesem Kampf derzeit allenfalls stumpfe Waffen. Ganz drastisch drückte es Dr. Stephan Helm von der Sächsischen Krankenhausgesellschaft aus: Es gebe weniger ein Planungs- oder Finanzierungsproblem, sondern die Schwierigkeit, den Nachwuchs für den ländlichen Raum zu interessieren. Erstmals bei einem Treffen zum Ärztemangel waren auf Schloss Hartenfels neben Dr. Helm auch Vertreter der nordsächsischen Kreis-Krankenhäuser Torgau und Delitzsch vertreten. Neben der Besetzung eigener Stellen wirkt sich die Unterversorgung der Region mit Hausärzten auch indirekt auf deren Arbeit aus. Geschäftsführer Jens Laser illustrierte dies anhand der Zahlen im nichtstationären Bereich.
So schlugen im letzten Jahr bei 12 000 stationären Fällen 60 000 ambulante Behandlungen im Krankenhaus und 13 500 im Medizinischen Versorgungszentrum zu Buche. Um den eigenen Ärztebedarf zu decken, habe sein Haus zuletzt auf kostenpflichtige Makler zurückgreifen müssen, „das muss man sich aber leisten können“, so der Geschäftsführer. Neben einer Reihe anderer Maßnahmen, um das Torgauer Haus attraktiv zu machen – genannt wurden beispielsweise Teilzeitmodelle für Eltern – könnte in Kürze ein Stipendienprogramm gestartet werden. Wie verschiedentlich schon gehandhabt, sollen damit Medizinstudenten finanziell gefördert werden, wenn sie sich im Gegenzug für einen Berufsstart im Krankenhaus Torgau entscheiden. Hierzu würden gerade die Abstimmungen im Aufsichtsrat laufen, so Jens Laser. Von der Bundespolitik forderte er, dass mehr junge Leute zum Medizinstudium zugelassen werden, als dies aktuell der Fall ist. Den Ärztemangel indirekt anzugehen, schlug AOK-Plus-Geschäftsführer Rainer Striebel vor. „Warum beschränken wir uns immer auf die Option Arzt?“, wollte er wissen. Assistenzpersonal könne helfen, die Situation zu verbessern. Das „Agnes-Programm“ sei sehr erfolgreich gewesen. Hinter „Agnes“ verbirgt sich eine Krankenschwester mit erweiterter Ausbildung, die dem Arzt oder der Ärztin eine Reihe von Aufgaben abnehmen kann. Gleichzeitig schlug Striebel aber auch eine Überarbeitung der aktuellen Bedarfsplanung vor. So könne zielgerichteter gearbeitet werden, wenn Sachsen statt in 26 Planungsbereiche in 236 Bezugsregionen unterteilt würde. Allein der Altkreis Torgau-Oschatz würde dann aus neun solchen Bereichen bestehen.
Gastgeber der Regionalkonferenz, an der auch Vertreter der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen, des Sächsischen Sozialministeriums, praktizierende Ärzte und Kommunalpolitiker teilnahmen, war Landrat Michael Czupalla. Er zog ein positives Fazit. Aus den vorgetragenen Analysen könne die Verwaltung nun konkrete Schritte ableiten, um die Versorgungssituation im Kreis zu stabilisieren. Im August würden diese vorgestellt.