Mutzschen/Wermsdorf (TZ). Wechselt die Stadt Mutzschen (Landkreis Leipzig) demnächst den Landkreis? Landrat Michael Czupalla (CDU) bestätigte, dass sich seine Behörde derzeit mit einer entsprechenden Anfrage aus Mutzschen auf Eingliederung in den Landkreis Nordsachsen beschäftige. Auch sein Kollege Gerhard Gey (CDU) aus dem Nachbarkreis sei informiert.
„Uns liegt ein konkretes Gesprächsangebot vor“, so Czupalla. Die Initiative sei von der 2300-Seelen-Stadt ausgegangen. Mit einer Bewertung dieser Anfrage hielt er sich indes zurück. Zunächst seien auf Arbeitsebene die Details zu klären. Hauptdezernent Horst Winkler werde „in Bälde“ die erste Kontaktaufnahme führen. Mutzschen liegt 14 Kilometer östlich von Grimma und etwa 17 Kilometer westlich von Oschatz entfernt.
In Wermsdorf ist man über diesen Vorstoß aus Mutzschen offenbar verwundert. „Falls das mit einer Fusionsabsicht zusammenhängt, ist es interessant, dass dies der erste Schritt ist, bevor jemand mit uns gesprochen hat“, sagte Wermsdorfs Bürgermeister Matthias Müller (CDU). „Uns liegen bis heute keine Gesprächsanfragen vor. Was wir wissen, wurde über die Presse kolportiert.“ Auch gestern äußerte er sich nicht dazu, ob eine Fusion infrage kommt.
Mutzschens Bürgermeister Carsten Graf (parteilos) zu seinem Vorstoß beim Landrat: „Es ist nicht so, dass wir nicht mit Wermsdorf reden wollen. Aber vor konkreten Gesprächen wollen wir wissen, ob die rechtlichen Grundlagen gegeben sind“, so das Stadtoberhaupt. Man habe aus Fehlern gelernt. „Beim Fusionsversuch vor drei Jahren mit Wermsdorf wurden die Bemühungen von außen zerredet. Deshalb wollen wir nun sicherstellen, ob eine Fusion genehmigungskonform ist.“ Sowohl die beiden Landkreise als auch das Sächsische Innenministerium würden beteiligt. Denn Fusionen sind nur innerhalb eines Kreises möglich: Mutzschen gehört zum Landkreis Leipzig, Wermsdorf mit rund 5600 Einwohnern zu Nordsachsen. Graf hatte bereits angedeutet, dass bei einem Zusammengehen die 2300-Seelen-Kommune aus dem Kreis Leipzig herausgelöst werden müsste. Er bekräftigte erneut: „Die Würfel sind für uns mit den Entscheidungen in Thümmlitzwalde und Nerchau, die nach Grimma gehen, gefallen. Ich habe immer gesagt: Wermsdorf ist eine sehr gute Alternative.“ In der Stadtratssitzung im Dezember sollen die Ergebnisse der Gespräche besprochen werden. „Falls für eine Fusion Rechtssicherheit besteht, wollen wir im kommenden Jahr Kontakt zu Wermsdorf aufnehmen.“
Sollte aus der Anfrage ein Antrag werden, müsste der Kreistag des Landkreises Leipzig zustimmen. Dann dürfte es auch um Geld gehen. Wechselt Mutzschen nach Nordsachsen, so müsste der klamme Kreis die Pro-Kopf-Verschuldung der Mutzschener ablösen – in der Summe mehr als eine halbe Million Euro.