19. Juli 2011 Andreas Tapper (Leipziger Volkszeitung)

Nahverkehr: Zweckverband steuert um

Geschäftsführer Glowienka verlässt Leipzig / Oschatzer Döllnitzbahn wird trotz Finanznot weiter finanziert

Leipzig/Borna. Im Zweckverband Nahverkehrsraum Leipzig (ZVNL) vollzieht sich ein Führungswechsel: Der Anstellungsvertrag des bisherigen Geschäftsführers Andreas Glowienka wurde nicht verlängert; die Verbandsversammlung will jetzt einen Nachfolger bestimmen. Gleichzeitig wurde die Subventionierung der Döllnitzbahn in Oschatz - die ursprünglich zum diesjährigen Schuljahresende am 8. Juli auslaufen sollte - überraschend bis Ende 2012 verlängert. Die Stadt Leipzig habe versucht, dies zu verhindern, heißt es hinter den Kulissen.
Dass es mit dem Verhältnis der drei ZVNL-Partner - der Stadt Leipzig, dem Landkreis Leipzig und dem Landkreis Nordsachsen - nicht zum Besten steht, hatte sich schon bei der Stilllegung der Grünauer S-Bahn-Linie (S 1) gezeigt. Leipzigs Baubürgermeister Martin zur Nedden (SPD) hatte sich damals für den Erhalt der S 1 eingesetzt und darauf hingewiesen, dass der 40000-Einwohner-Stadtteil einer "veritablen Mittelstadt in Sachsen" gleiche und deshalb dort Verkehrsangebote eine höhere Priorität haben müssten, als im flachen Land. Dies hatte die beiden Landkreise aber nicht davon abgehalten, die Stilllegung zu beschließen. Der Landkreis Nordsachsen hatte anschließend sogar noch auf die Weiterführung des 550000-Euro-Zuschusses für die Döllnitzbahn gepocht - konnte trotz Hilfe des Landkreises Leipzig aber wegen Geldmangels nur noch eine Verlängerung bis zum Schuljahresende erreichen. Wegen dieses Geschachers hatten in den folgenden Tagen mehrere Leipziger den Austritt der Stadt aus dem ZVNL gefordert.
In der vorigen Woche nun nahm Verbandsvorsitzender Gerhard Gey, Landrat des Kreises Leipzig, gleich zu Beginn der 48. Verbandsversammlung den Tagesordnungspunkt "Anstellung des Geschäftsführers" von der Tagesordnung. Ursprünglich sollte unter diesem Punkt die Verlängerung des am 30. September auslaufenden Vertrages von Andreas Glowienka behandelt werden. Teilnehmer berichten, Glowienka habe bereits vor der Sitzung seine Bewerbung zurückgezogen und sich in den Urlaub verabschiedet.
Anschließend setzten die Landkreise durch, dass die Döllnitzbahn doch noch weiter finanziert wird. Leipzig hat sich bei der Abstimmung enthalten. Doch selbst ein Veto hätte nichts gebracht, da beide Landkreise für die Weiterfinanzierung der Bahn stimmten. In diesem Jahr werden noch 75000 Euro vom ZVNL nach Oschatz fließen, 2012 weitere 100000 Euro. Weitere Gelder sollen andere beisteuern - das sächsische Wirtschaftsministerium, die Sächsisch-Oberlausitzer Eisenbahngesellschaft, der Landkreis Nordsachsen und der Zweckverband Döllnitzbahn. Ziel sei, die Bahn im Januar 2013 komplett vom ZVNL-Finanztropf abzunabeln, heißt es.
Glowienka dementierte auf Anfrage, dass er sich um eine Verlängerung beworben habe. "Ich brauche Veränderung und Bewegung", sagte der 49-Jährige. Er wisse noch nicht, was er als Nächstes tun werde. "Wahrscheinlich werde ich Leipzig verlassen."