7. Mai 2011 Leipziger Volkszeitung

Nordsachsen schwenkt auf konfliktärmere Trasse um

Widerstand gegen Südvariante der B 87 n zeigt Wirkung / Befürworter rücken von Straßenführung über Borsdorf ab

Borsdorf//Taucha/Eilenburg (tv/pf). Bei der Suche nach dem Verlauf für die künftige B 87 n wollen der Landkreis Nordsachsen und betroffene Kommunen jetzt auf die konfliktärmere Trasse im Norden Tauchas drängen. Das gab Nordsachsens Landrat Michael Czupalla (CDU) am Donnerstag in Eilenburg nach einer Beratung von Vertretern der betroffenen Orte mit dem Kreis, der Landesdirektion, der Regionalen Planungsstelle, dem Autobahnamt und dem benachbarten Landkreis Elbe-Elster bekannt.
Hintergrund sind drohende Verzögerungen des Projekts. 15 Jahre werde nun schon über eine schnelle Verbindung Leipzig-Torgau gesprochen, "da brauchen wir jetzt eine Weiterentwicklung", drängte Czupalla. Wenn man jedoch zeitnah mit dem Bau beginnen wolle, dürfe man sich nicht gerade die Trasse aussuchen, wo die Konflikte am größten sind, erläuterte Andreas Berk-ner, Leiter der Regionalen Planungsstelle. Zwar schließe der Regionale Planungsverband eine Querung der Parthe südlich von Taucha nicht generell aus, "aber im Norden gibt es deutlich weniger Konflikte", so Berkner. Er erinnerte an 5000 Stellungnahmen von Gegnern der Südtrasse durch die Parthenaue zwischen Panitzsch und Sehlis im vor kurzem abgeschlossenen Verfahren zur Fortschreibung des Regionalplanes und bewertete Klagen gegen eine Südtrasse als "aussichtsreich".
Berkner spekulierte auf Anfrage von LVZ: "Ohne Einsprüche und Klagen könnte es eventuell und vielleicht in fünf Jahren losgehen. Mit dem, was uns aus dem Südraum entgegenschlägt, tut sich in den nächsten zehn Jahren nichts."
Die Stadt Leipzig scheint unterdessen ihren bisherigen Widerstand gegen eine Nordtrasse aufgegeben zu haben. Czupalla berichtete von einem abstimmenden Gespräch mit Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung, wo er ihm im Gegenzug die Unterstützung des Kreises bei der B95-Frage südlich von Leipzig zugesichert habe. Leipzigs Baubürgermeister Martin zur Nedden habe im Übrigen der Teilfortschreibung, die sich klar für eine Nordtrasse ausspricht, auch zugestimmt, erklärte Berkner.
Torgaus Oberbürgermeisterin Andrea Staude mahnte, kein neues Raumordnungsverfahren aufzumachen, sondern das bisherige, das den komplett vierstreifigen Ausbau bis Torgau vorsah, schnellstens zu Ende zu führen und zu bauen. Die Torgauer Unternehmen befürworteten ganz klar eine Anbindung an den Norden Leipzigs mit seinen logistischen Zentren sowie der Autobahn.
Czupalla erläuterte, dass im Nachgang des Gesprächs die aktuell noch offenen Fragen abgestimmt werden sollten, um sie bei einem Gespräch am 20. Juni mit dem Bundesverkehrsministerium zur schnelleren Klärung vorlegen zu können. Die nördliche Route um Taucha sei eine der noch offenen Fragen, so Czupalla. Ein weiterer Streit um die Trasse sei aber nicht im Sinne der Region.
Das Bundesverkehrsministerium hatte zuletzt aus Kostengründen den vierspurigen Ausbau in Frage gestellt (LVZ berichtete).