29. Dezember 2010 Uwe Gutzeit (Torgauer Zeitung)

Notwendig ist mehr Miteinander in der Seniorenarbeit

Nordsachsen (TZ). Der Kreistag hat 2008 zwei ehrenamtliche Seniorenbeauftragte bestellt. Über deren Aufgaben berichteten wir unter anderem auf einer Chancenseite am 5. Mai 2010. Nach einem reichlichen halben Jahr sprach die TZ erneut mit Klaus-Eckhardt Körner, dem Seniorenbeauftragten für den Bereich Torgau-Oschatz.

TZ: Herr Körner, lassen Sie uns eine kleine, möglichst konkrete Bilanz ziehen. Sie hatten damals die Idee eines Senioren-Kollegs, wie hat die Kreisvolkshochschule darauf reagiert?
Klaus E. Körner:
Die KVHS, Frau von Gynz-Rekowski, hat meine Anregungen zur Bündelung der Angebote für Senioren und auch meine inhaltlichen und organisatorischen Vorschläge dazu positiv aufgenommen. Insbesondere der Vorschlag, diese Seminare auch in der Fläche und nicht nur abends anzubieten, wurden als zu verfolgende Anregungen aufgenommen. Warum bisher diese Anregungen nicht umgesetzt wurden, konnte ich noch nicht in Erfahrung bringen.
Konnten die von ihnen gewollten Senioren-Arbeitsgruppen für Torgau und Oschatz gebildet werden?
Die Bildung von regionalen Senioren-AG als gemeinsame Sprachrohre der bestehenden Selbsthilfegruppen und Seniorenbetreuer wird derzeit von mir nicht weiter-verfolgt. Bei einer Beratung mit einigen Aktiven aus diesem Bereich im Altkreis Oschatz wurde die Notwendigkeit dafür nicht gesehen.
Und in der Region Torgau?
Die vorhandenen Gruppen verstehen sich vor allem als Gemeinschaften, welche die Geselligkeit pflegen und damit die Isolierung des Einzelnen verhindern. Bei eventuellen Problemen finden sie in der Regel bei den Verwaltungen beziehungsweise direkt in den Sprechstunden bei der Oberbürgermeisterin und den Bürgermeistern ein offenes Ohr.
Was ist mit der “Wunschliste” geworden, die Ihnen im Senioren-Selbsthilfezentrum überreicht wurde?
Die Wunschliste beinhaltete im Wesentlichen lokale Probleme in Torgau. Deshalb hatte Stadtrat Peter Deutrich den Auftrag erhalten, diese Punkte mit der Stadtverwaltung abzuarbeiten. Einer der beklagten Mängel, die unfallträchtigen Gehwege in der Innenstadt, hat Herrn Deutrich selbst für Monate außer Gefecht gesetzt. Über eventuelle Ergebnisse seiner Initiative werde ich im Januar mit Herrn Deutrich einmal Bilanz ziehen.
In welchem Umfang hatten Sie persönlich Fragen zu klären, die an Sie herangetragen wurden?
Es wurden nur wenige Anliegen an mich herangetragen, welche auch schnell geklärt werden konnten. Das Beratungsangebot des Sozialamts, des Gesundheitsamts und der im Pflegenetzwerk des Landkreises zusammenarbeitenden Sozialverbände und Krankenkassen wird selbstverständlich als erste Ansprechstelle von den Ratsuchenden genutzt. Ich bin über das Bürgerbüro beziehungsweise das Sozialamt des Landkreises zu erreichen (Tel. 03421 758711)
Mit welchen Vereinen und Institutionen haben Sie 2010 besonders eng zusammengearbeitet?
Es ist mir immer eine besondere Freude, von Seniorengruppen eingeladen zu werden. Im lockeren Gespräch können dann Probleme angesprochen und Zusammenhänge erläutert werden. Die Senioreninitiativen werden dadurch auch anerkannt und finden sich in ihrer wichtigen Arbeit bestätigt.
Welche Probleme wurden zum Beispiel  angesprochen?
Interessant waren die Kontakte zu den kommunalen Seniorenbetreuern. Hier ist das Problem, dass die Betreuer, da über Hartz IV beziehungsweise Kommunal-Kombi vergütet, nach kurzer Zeit beziehungsweise bei letzteren nach drei Jahren ihre Tätigkeit wieder beenden. Unverständlich auch, dass sie die Fahrtkosten zu den jeweiligen Betreuungsorten vielfach nicht erstattet bekommen.
Von welchen Aktivitäten haben Sie Kenntnis, die sich gezielt mit den notwendigen Veränderungen im gesellschaftlichen Leben angesichts der demografischen Entwicklung befassen?
Die Kreisverwaltung hat die ämterübergreifende Zusammenarbeit zur kommunalen Sozialplanung intensiviert, um daraus ein Planungs- und kommunalpolitisches Entscheidungsinstrument auch für die Altenhilfeplanung und Pflegeeinrichtungsplanung zu erarbeiten. Diese Zusammenarbeit umfasst auch die freien, privaten und öffentlichen Träger, die Städte und Gemeinden, Vereine und Verbände und die Träger der freien Wohlfahrtspflege. Das Pflegenetzwerk ist inzwischen etabliert und wird weiterentwickelt. Insbesondere sollen auch die Selbsthilfegruppen und -einrichtungen aufgenommen werden. Notwendig ist mehr Miteinander in der Seniorenarbeit.
(www.pflegenetz.sachsen.de oder Telefon  0180 2460046).
Welche Themen stehen derzeit auf der Tagesordnung?
Die Arbeitsgruppe „Planung für Senioren“, in welcher das Sozialamt, Gesundheitsamt, Mitglieder des Gesundheits- und Sozialausschusses des Kreistages, die freien, privaten und öffentlichen Träger und die Träger der freien Wohlfahrtspflege mitarbeitet, arbeiten an der Weiterentwicklung der Altenhilfeplanung. Eine Untergruppe befasst sich mit der Weiterentwicklung der Pflegeberatung und des Entlassungsmanagements. Die zweite Gruppe hat sich den übergreifenden Themen Bürgerschaftliches Engagement in der Altenhilfe, seniorengerechtes Wohnen, Lebensführung, Verkehr inklusive Öffentlicher Personennahverkehr, Bildung und Kultur, unter anderem speziell für Senioren, angenommen.