21. Juli 2011 Frank Hörügel (Oschatzer Allgemeine Zeitung)

OAZ-Interview - "Collm-Klinik arbeitet wirtschaftlich"

Aufsichtsratsvorsitzender Andreas Kretschmar zur Zukunft des Oschatzer Krankenhauses

Oschatz. Der Führungswechsel in der Collm-Klinik (wir berichteten) sorgt für Gesprächsstoff unter Mitarbeitern des Krankenhauses, Patienten und Einwohnern der Region. Die OAZ fragte Andreas Kretschmar als Aufsichtsratsvorsitzenden des Krankenhauses zur Zukunft der Collm-Klinik.
Frage: In Oschatz brodelt die Gerüchteküche, von einer drohenden Schließung des Krankenhauses ist die Rede. Gibt es Gründe für diese Sorgen?
Andreas Kretschmar: Absolut nicht. Die Collm-Klinik arbeitet wirtschaftlich und schreibt schwarze Zahlen. Es gibt aber ein Papier der Landesdirektion Leipzig zum Haushalt des Landkreises Nordsachsen. Darin steht, dass der Landkreis den Wert seiner Beteiligungen an den drei Kreiskrankenhäusern in Torgau, Delitzsch und Oschatz ermitteln lassen soll.
Die Linksfraktion im Kreistag leitet aus dieser Forderung die Befürchtung ab, dass der Kreis Nordsachsen seine Gesellschafteranteile an den drei Krankenhäusern verkaufen wird und warnt davor. Wie sehen Sie das: Sollte Nordsachsen seine Anteile in bare Münze verwandeln?
Für Oschatz trifft diese Befürchtung nicht zu. Denn unser Krankenhaus ist seit vielen Jahren teilprivatisiert. Wir haben eine Beteiligung des Klinikbetreibers Asklepios, der 25 Prozent der Anteile an der Collm-Klinik besitzt. Daran wird es keine Veränderungen geben.
Die Collm-Klinik besitzt kein Alleinstellungsmerkmal, mit dem überregional Patienten angezogen werden können. Ist das ein Standort-Nachteil für das Oschatzer Krankenhaus?
Nein. Wir haben in Oschatz ein Krankenhaus der Grundversorgung auf hohem medizinischen Standard. Die Collm-Klinik bietet eine medizinische Versorgung in der gesamten Bandbreite für jedermann an. Jede Abteilung hat ihre besonderen Fähigkeiten. Das Oschatzer Krankenhaus ist keine Spezialklinik. Kliniken für spezielle Erkrankungen gehören in die Großstädte Leipzig oder Dresden.
Fragen: Frank Hörügel

Haushalt Nordsachsen und Klinikbeteiligungen Die Landesdirektion Leipzig hat den Haushalt 2011 des Landkreises nur unter mehreren Bedingungen genehmigt. Hintergrund ist, dass der Kreis hoch verschuldet ist. Nordsachsen soll die Kreisumlage, mit der die Kommunen die Arbeit des Landratsamtes finanzieren, auf 32,8 Prozent erhöhen (jetzt: 31,5 Prozent). Außerdem soll der Landkreis den Wert seiner Beteiligungen an den drei Kreiskrankenhäusern von einem Gutachter ermitteln lassen. Die Ergebnisse dieses Gutachtens will die Landesdirektion Leipzig bis zum Jahresende vorgelegt bekommen.