24. Februar 2011 Nico Fliegner (Torgauer Zeitung)

Öko-Experte: Böden sind überlastet

Kossa (TZ). Die Wasserlachen auf vielen Feldern in Nordsachsen haben nach Ansicht von Roland Einsiedel, Vorsitzender der Sächsischen Interessengemeinschaft Ökologischer Landbau (Sigöl) in Kossa, nicht ausschließlich etwas mit dem starken Niederschlagsjahr 2010 zu tun. Ebenso nicht der viele Schnee sowie das marode Meliorations- und schlecht gepflegte Gräbensystem. „Die Grenzen der Belastbarkeit unserer Böden sind überschritten“, sagt Einsiedel und mahnt vielmehr eine „unsichtbare, schleichende Versiegelung“ von Ackerflächen an. Insbesondere die konventionelle Landwirtschaft würde mit dem Einsatz „immer größerer und schwererer Maschinen“ auf den Feldern die Bodenstruktur schlichtweg zerstören.

Hinzu käme ein Verlust an biologischer Vielfalt im Erdreich. Statt auf die Einhaltung der Fruchtfolge zu achten, würden zunehmend Pflanzenschutzmittel zum Einsatz kommen. „Die Vielfalt der Lebewesen spielt eine entscheidende Rolle für die Stabilität und Funktionsfähigkeit der Böden.“ Ein höherer Humusgehalt führe zu einer verbesserten Krümelstruktur. Die würde die Wasseraufnahmefähigkeit der Erde verbessern.
„Eine gezielte Förderung bodenstrukturfördernder Maßnahmen“ wäre ein „effizienter Beitrag zum Hochwasserschutz“, so der Experte. Ökologisch bewirtschaftete Böden würden doppelt so viel Wasser aufnehmen wie konventionelle. Und in Öko-Böden gebe es Untersuchungen zufolge 42 Prozent mehr Regenwürmer, die zur Bodenverbesserung beitragen. Laut Einsiedel müssten die ökologischen Funktionen der Böden wiederhergestellt werden. „Das niederschlagsreiche Jahr 2010 sollte das letzte Alarmsignal sein.“