2. Februar 2011 Frank Pfütze (Leipziger Volkszeitung)

Oelsnitz jubelt - Delitzsch nicht

Landesgartenschau 2015 ins Erzgebirge vergeben / Loberstadt landet auf Platz zwei


Delitzsch/Dresden. Oelsnitz im Erzgebirge richtet die Landesgartenschau 2015 aus. Das entschied das Sächsische Kabinett gestern. Es folgt damit dem Vorschlag der Bewertungskommission, in der neben den Staatsministerien für Umwelt sowie des Innern unter anderem Kleingärtner und Landschaftsarchitekten vertreten waren. Delitzschs Oberbürgermeister Manfred Wilde (parteilos) und Nordsachsens Landrat Michael Czupalla (CDU) äußerten sich in ersten Reaktionen enttäuscht.
Delitzsch und Frankenberg (Landkreis Mittelsachsen) folgen auf den Plätzen. Markkleeberg und Borna (Landkreis Leipzig), Lugau und Neustadt (Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge) waren bereits vorher aus dem Rennen.
"Die Lokomotive wird seit Monaten angeheizt, nun sollte der Zug eigentlich losfahren", so Delitzschs Oberbürgermeister, der damit auf die breite Unterstützung anspielte, die der Bewerbung aus der gesamten Region zuteil wurde. "Wir werfen die Harke trotzdem nicht auf's Beet", kündigte Wilde an. "Unseren traumhaft schönen Stadtpark bringen wir in Schuss, auch, wenn es nun länger dauern wird. Er ist als innerstädtische Erholungsfläche eines der wichtigsten Güter hier in dieser von der Industrie geprägten Region. Oelsnitz wünsche ich für 2015 viel Erfolg!"
Delitzsch verfügt mit dem historischen Stadtpark, in dem teils über 100 Jahre alte Bäume wachsen, über eine außergewöhnlich große innerstädtische Grünfläche, die neben dem Barockgarten, dem Rosengarten und den Zwingergärten zu den interessantesten Sehenswürdigkeiten für Städtereisende zählt. Delitzsch hat Mittel für die Landesgartenschau im Haushalt eingestellt und verankert, die sollen laut OBM auch für den Stadtpark eingesetzt werden. Es werde sich auf jeden Fall etwas zum Positiven entwickeln.
Nordsachsens Landrat bezeichnete die Bewerbung "trotz des enttäuschenden Finales" als richtig und gut. Die Bemühungen der gesamten Region seien "beeindruckend" gewesen. "Leider reicht es nur zum zweiten Platz. Der Versuch ist zu begrüßen. Delitzsch hat keinen Grund, den Kopf in den Sand zu stecken", so Czupalla. "Oelsnitz konnte mit einem innovativen und schlüssigen Konzept überzeugen", begründet Staatsminister Frank Kupfer (CDU) die Entscheidung. "Das Bahnhofsareal und die anliegenden Teichanlagen, die sich zur Umgebung öffnen, bieten auf Grund der Größe von rund 15 Hektar sowie der Geschlossenheit, der topografischen Eigenschaften und der direkten Anbindung an den Bahnhof beste Voraussetzungen zur Durchführung einer Landesgartenschau".
Der Freistaat unterstützt das Event finanziell. Für die erforderlichen Investitionen steht ein Zuschuss in Höhe von maximal dreieinhalb Millionen Euro bereit, der auch als Eigenanteil für die Einwerbung weiterer Mittel aus Förderprogrammen des Landes, des Bundes oder der Europäischen Union genutzt werden kann.
Delitzsch bleibt die Erinnerung an die Zukunftsmusik: Die alte Stadtgärtnerei sollte das Tor zur Landesgartenschau bilden, falls Delitzsch den Zuschlag erhalten hätte. Geplant war am Haupteingang ein Ausstellungszentrum mit Blumenhalle, eine futuristische Immobilie aus Glas und Stahlbeton. Auch für das übrige Areal der alten Stadtgärtnerei gab es Pläne. So sollten sämtliche Nebengelasse wie Schuppen und Garagen verschwinden. Erhalten bleiben sollte das Wohngebäude, die Villa Naujokat - sie sollte Sitz der Laga-Verwaltung werden. Das große Freigelände hätte reichlich Platz für Präsentationen geboten. Im Gespräch waren unter anderem Mustergärten. © Standpunkt