Oschatz. Kalt, dunkel und nass - ein bisschen musste die Atmosphäre gestern auf dem Oschatzer Neumarkt den Bedingungen beim vergangenen Castor-Transport geähnelt haben. Doch die Zahl der Oschatzer Demonstranten für eine nachhaltige Umweltpolitik in Deutschland blieb mehr als übersichtlich. Während sich in Norddeutschland tausende Menschen dem Atomtransport in den Weg stellten, kamen in Oschatz rund 20 Umweltaktivisten zusammen.
"Ich freue mich trotzdem, dass etwa 20 Leute hier zusammengekommen sind", sagt Initiator Robert Pauli bei der Begrüßung. Der 19-jährige Zivildienstleistende will mit der Demonstration einen weißen Fleck auf einer bundesdeutschen Landkarte schließen. "Im Internet gibt es eine Karte, auf der die Demonstrationen gegen die Atomkraft aufgezeichnet sind. Fast ganz Ostdeutschland ist ein weißer Fleck. Das wird sich jetzt zumindest für Oschatz ändern", sagt Robert Pauli und freut sich.
Immerhin war die Schar der Protestierer bunt gemischt. Neben jungen Menschen wie beispielsweise Stadtrat Torsten Ackermann von der SPD waren aber auch ältere Oschatzer vor Ort. Linksparteistadtrat Peter Streubel oder Umweltaktivist Rudolf Hauck schlossen sich dem kleinen Umzug durch die Stadt an. "Ich freue mich, dass junge Menschen die Initiative ergreifen und selbst etwas organisieren", sagt Peter Streubel. Auch Rudolf Hauck freut sich über die Eigeninitiative. Er erinnert sich gut, dass es fast auf den Tag genau vor zehn Jahren in Oschatz eine Demonstration gegen die Castor-Transporte gegeben hatte. "Damals sind Demonstranten in weißen Schutzanzügen und mit einem großen Metallbehälter vom Bahnhof ins Stadtzentrum gezogen. Viele Oschatzer dachten damals, dass tatsächlich ein Transport in der Stadt ist", erinnert sich Hauck lächelnd. In einem waren sich alle politischen Richtungen sowie Jung und Alt einig. "Der Atomstrom ist keine Alternative". Dies wurde auch im Anschluss an die Demonstration in der Klosterkirche deutlich. Dort gab es am Montagabend ein Forum zur Energiepolitik.
Roland Haas, ehemaliger Landtagsabgeordneter der Grünen, informierte in der Klosterkirche über verschiedene sächsische Initiativen in Sachen Energieeffizienz und Klimaschutz. Als Mitglied der Projektgruppe Energieregion Elbland arbeitet er täglich an dem Thema. So geht es beispielsweise darum, die alternative Energiegewinnung, speziell die Solarenergiegewinnung, weiter auszubauen. "Das Thema sollte auch für viele Kommunen eine hohe Priorität besitzen, um sich unabhängig und vor allem ökologisch mit Energie zu versorgen." Künftig sieht Haas einen hohen Informations- und Investitionsbedarf um Elektromobilität auch in der Elbland-Region zu verankern.