Leipzig. Der Streit um das geplante Fashion-Outlet-Center in Wiedemar nördlich von Leipzig wird heftiger. Kees Woltering, Geschäftsführer der holländischen Firma Stable International, die in Wiedemar an der Autobahn 50 Millionen Euro investieren will, damit vom Sommer 2012 an auf 10000 Quadratmetern Modefirmen reduzierte Vorjahreskollektionen, zweite Wahl, Restposten und Überhangproduktion verkaufen können, warf der Stadt Leipzig gestern "Doppelmoral" vor. Ihm stelle sich die Frage, warum Leipzig zwar die Klage gegen das Projekt Wiedemar aufrecht erhalte, jedoch die Klage gegen das größer geplante und ebenso nahe Outlet-Center in Brehna (22000 Quadratmeter) zurückziehe. "Diese Aussage ist falsch", konterte Leipzigs Baubürgermeister Martin zur Nedden (SPD). Die Stadt halte ihren Widerspruch gegen das Projekt in Brehna aufrecht.
Die Stadt Halle hatte ihre Klage gegen Brehna zurückgezogen. Wirtschaftsbeigeordneter Wolfram Neumann hatte das damit begründet, dass Brehna für Halle nicht so schädlich sei wie Wiedemar. Neumanns Kalkül: Da die Region nur ein Center vertrage, werde, wenn Brehna zuerst fertig sei, Wiedemar letztlich nicht verwirklicht.
Zur Nedden widersprach auch der Behauptung von Woltering, es sei per Gutachten nachgewiesen, dass durch das Center in Wiedemar (Landkreis Nordsachsen) keine schädlichen Auswirkungen auf die Funktions- und Entwicklungsfähigkeit der Innenstädte zu erwarten seien. Das Gutachten, so der Baubürgermeister, gehe von einer Umsatzverteilung von vier Prozent zu Lasten der Stadt Leipzig aus. Es würden also jährlich zehn Millionen Euro Umsatz allein aus der Leipziger Innenstadt nach Nordsachsen abfließen.
Eine Stellungnahme der Industrie- und Handelskammer Pfalz zeigt nach zur Neddens Angaben, dass die Ansiedlung des dortigen Outlet-Centers zur Schließung von Einzelhandelsbetrieben in der Innenstadt geführt habe. Nur ein "kleiner einstelliger Prozentsatz" der Kunden besuche auch die Zweibrückener Innenstadt.