Bad Düben. Wer in Bad Dübens Diakonie-Altenpflegeheim Sankt Nikolai oder in der betreuten Wohnanlage der Arbeiterwohlfahrt (Awo) einen Platz für Angehörige sucht, muss mitunter eine Wartezeit in Kauf nehmen. Die Häuser sind überaus gut ausgelastet. Selbst für das neue Altenpflegeheim der Awo in der Neuhofstraße ist die Nachfrage groß. Angesichts des demografischen Wandels nicht wirklich verwunderlich: Denn diese Region wird wie alle Regionen in Deutschland älter.
Nicht so groß ist die Nachfrage dagegen beim Pflegepersonal nach offenen Stellen. "Im ambulanten Pflegedienst ist es richtig schwer, gut ausgebildete Fachkräfte zu finden", sagt Kathrin Enders, Geschäftsführerin des Awo-Kreisverbandes Nordsachsen mit Sitz in Bad Düben. Dieser sah sich zuletzt gezwungen, per Zeitungsanzeige auf Suche zu gehen. Für den Kreisverband ein neuer Weg, an Personal zu kommen, während noch vor ein paar Jahren ein Angebot an Kräften dagewesen sei. Stationär wollten viele arbeiten, weiß Enders, weil sie da nicht zu den Patienten fahren müssten und nach einem fest definierten Dienstplan arbeiteten. "Für diesen Bereich haben wir noch keine Probleme." Doch Enders schätzt ein, dass ihr Verband in naher Zukunft auch diesbezüglich mit Schwierigkeiten konfrontiert sein wird. Stichwort: Fachkräftemangel. Weil Pflegeberufe nicht gerade zu den attraktivsten gehörten, fehle schlichtweg der Nachwuchs. "Wir bilden bereits selbst aus, aber das reicht eben nicht", so Enders weiter. Und dabei zahle die Awo Tariflohn.
Auch im Diakonie-Pflegeheim in der Kurstadt hat die Suche begonnen - aktuell benötigt Geschäftsführer Thomas Maeser eine Fachkraft als Schwangerschaftsvertretung für eineinhalb Jahre. "Punktuell haben wir immer mal Probleme. Selbst die Zeitarbeitsfirmen, die wir in den seltensten Fällen beauftragen, können dann auch nicht gleich helfen", sagt er und befürchtet wie Enders, dass der Negativtrend weiter anhält. Selbst, als es noch Zivis gegeben habe, sei es schwierig gewesen, junge Männer zu gewinnen. Der letzte Zivi sei im technischen Bereich im Pflegeheim tätig gewesen. Das macht wiederum die Unattraktivität der Berufe in der Pflegebranche deutlich. "Das ist harte Arbeit", sagt die Awo-Chefin. Ob da der neue Bundesfreiwilligendienst Entlastung für die Einrichtungen bringt, weiß heute niemand.
Awo und Diakonie sehen sich jedenfalls vor neue Herausforderungen gestellt. Und nicht nur die. Bundesweit klagen Träger über fehlendes Fachpersonal.