Kreisgebiet. Der heutige Welt-Aids-Tag 2010 steht unter dem Motto "Gemeinsam gegen Aids - Wir übernehmen Verantwortung für uns selbst und andere". Am 1. Dezember 1988 fand in London ein Treffen der Gesundheitsminister aller Länder der Welt statt, um über die HIV/AIDS-Epidemie zu beraten. Seitdem wird dieser Tag jährlich als Welt-AIDS-Tag begangen. Er steht im Zeichen der Solidarität mit Betroffenen, gegen Ausgrenzung für Verständnis und Toleranz. Im Landkreis Nordsachsen finden dazu zahlreiche Veranstaltungen statt.
Die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes der Landkreisverwaltung messen der Prävention und Aufklärung einen hohen Stellenwert bei und sehen darin ihre Hauptaufgabe, heißt es in einer Pressemitteilung der Behörde. So gab es und gibt es Buchlesungen in den achten Klassen der Schulen unseres Landkreises mit dem Schriftsteller Volkmar Röhrig aus seinen Büchern "Biggi - Nr. 1" und "Biggi - Liebe auf den zweiten Blick". Projekttage fanden in Kooperation mit der Aids-Hilfe Leipzig, ebenfalls in achten und neunten Klasen statt (wir berichteten).
Mit diesen Veranstaltungen zum Welt-Aids-Tag soll den Schülern, Jugendlichen und allen Interessierten das Thema HIV/Aids näher gebracht werden. Sie sollen den Mut zu mehr Akzeptanz und Toleranz gegenüber anderen Menschen und Lebensweisen bekommen. Die Behörde fordert zur "Solidarität mit Betroffenen" auf. Neben dem präventiven Bereich besteht das Angebot der Beratung sowie des HIV-Antikörpertests (anonym und kostenlos). Das Gesundheitsamt begleitet Betroffene und Angehörige und vermittelt zu Behandlungsstellen. Nach über 20 Jahren Erforschung des HI-Virus und der Erkrankung sei dies immer noch und mehr denn je ein Thema für die Menschheit weltweit. Trotz hoher Leistung auf dem Gebiet der Medizin und intensiver wissenschaftlicher Forschung konnte bis heute kein Heilmittel, kein Impfstoff gefunden werden.
Die Erkrankung sei behandelbar, es gebe aber noch keine Heilungsmöglichkeit. Es sei wichtig, dass sich die Menschen über das Krankheitsbild informieren, über Infektionswege, über Schutzmöglichkeiten. Aber nicht nur das Wissen, die Kenntnis über HIV/ Aids sei bedeutsam, sondern die Umsetzung, die Einflussnahme auf das eigene Verhalten in allen Leben
sbereichen. An erster Stelle der Infektion stehe der sexuelle Kontakt. Laut Robert-Koch-Institut infizieren sich in Deutschland jährlich etwa 3000 Menschen neu mit dem HI-Virus. Weltweit sind 33 Millionen Mensch infiziert. Jedes Jahr sterben über zwei Millionen Menschen an Aids. © Seite 21
iWer sich über HIV und Aids informieren möchte, kann sich an das Gesundheitsamt des Landratsamtes Nordsachsen wenden. Richard-Wagner Straße 7 a, 04509 Delitzsch, Ansprechpartnerin Conny Dietze, Telefon 034202/9886333, E-Mail: Conny.Dietze@lra-nordsachsen.de, Sprechzeit: Dienstag 16 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung.
In jüngsten Meldungen war von abnehmenden Aids-Zahlen in Deutschland die Rede. Kein Grund zur Entwarnung? Da muss man unterscheiden: Deutschlandweit steigt die Zahl der Betroffenen eher leicht an. Wenn auch nicht mehr so wie vor vielen Jahren. Es leben mehr Menschen mit Aids. Gesunken ist die Todesfall-Rate dank der Medikamente. Aber diese haben extreme Nebenwirkungen. Es ist meiner Meinung nach gefährlich zu sagen, dass Lebensqualität und -dauer mit einer Infektion inzwischen normal sei. Nach wie vor tritt bei jedem Infizierten nach fünf bis zehn Jahren eine Erkrankung auf. Das sind die aktuellen Erfahrungen der Leipziger Aids-Hilfe. Aber auch bei Ihnen können sich Jugendliche Rat holen, die befürchten, sich infiziert zu haben? Wer zu uns kommt, hat lange mit sich gerungen. Da ist viel Angst im Spiel. Es dauert ja zwölf Wochen bis ein Test eindeutig aussagen kann, ob eine Infektion vorliegt oder nicht. Und dann ist das Ergebnis abzuwarten. Da liegen viele schlaflose Nächte dazwischen. Wir müssen und wollen massiv aufklären. Mussten Sie persönlich schon jemandem mitteilen, dass sein Aids-Text positiv ausgefallen ist? Ich selbst musste es noch niemandem sagen. Aber es leben Menschen mit dem HI-Virus im Landkreis. Wir sind hier nun mal nicht abgeschirmt. Interview: Heike Liesaus