20. Oktober 2011 Eileen Jack (Torgauer Zeitung)

Rettungsring für die Tafeln

Nordsachsen (TZ). „Es ist sicher noch nicht der große Durchbruch, aber zumindest ein Anfang“, schätzte Landrat Michael Czupalla das Ergebnis der gestrigen Tafelrunde in Eilenburg ein. Vertreter der Torgauer und Delitzscher Tafel hatten in der vergangenen Woche wegen Personalsorgen einen Hilferuf an das Oberhaupt des Landkreises gesandt. Czupalla sah die Dringlichkeit zur Klärung des Problems und lud zum Gespräch. Der Einladung folgten neben den Vertretern der Torgauer, Delitzscher und Oschatzer Tafeln auch Entscheidungsträger von Arge und Jobcenter sowie Bürgermeister und Vertreter der kommunalen Verwaltungen der betroffenen Gemeinden und Städte.

„Zuerst einmal möchte ich meinen Dank für die geleistete Arbeit aussprechen. Wir suchen heute nach einer Lösung, wie die Tafeln trotz des Wegfalls von Ein-Euro-Jobbern weiter bestehen bleiben können. Ich muss aber auch sagen, dass wir keine Schatulle haben, in die wir hineingreifen und aus der wir Mittel bereitstellen können“, erklärte Landrat Michael Czupalla gleich zu Beginn der Tafelrunde die Fakten. Zusammengefasst sah er nur eine wirklich tragfähige Lösung, und die nennt sich Bundesfreiwilligendienst. Deshalb hatte er auch Dr. Ralf Wartenberger vom Verein Arbeit und Bildung, in Torgau einer der Träger des Bundesfreiwilligendienstes, zum Gespräch eingeladen. Wartenberger klärte noch einmal über die Regularien auf. Für sogenannte Bufdis über einem Alter von 27 Jahren gibt es monatlich 350 Euro, in denen sowohl das Taschengeld als auch die Sozialleistungen enthalten sind und die vom Bund finanziert werden. „Wenn sich die Einsatzstellen nur die 350 Euro leisten können, dann ist das in Ordnung, dann entstehen der Einsatzstelle auch keinerlei Kosten“, so die Erläuterungen des ABT-Vereinschefs. Gleichzeitig sagte er zu, dass der Verein von den Tafeln kein Geld für die Vermittlung und die pädagogische Betreuung der Bufdis nehmen werde. Für Landrat Michael Czupalla war die Lösung gefunden. Auch für die Vertreter der drei Tafeln, Jutta Faak aus Delitzsch, Joachim Rolke aus Oschatz und Helga Woy aus Torgau, schien dies ein gangbarer Weg. „Die ersten fünf Bufdis arbeiten bereits für uns. Ich werde noch heute zu ABT gehen und unseren Antrag um acht Kräfte erweitern“, kündigte Helga Woy gegenüber der Torgauer Zeitung an.

Neben der Unterstützung durch den Bundesfreiwilligendienst werden in allen drei Tafeln aber auch künftig ehrenamtliche Kräfte zum Einsatz kommen. 15 an der Zahl sind es im Schnitt in Torgau, auch der gesamte Vorstand arbeitet ehrenamtlich. Von hier aus werden monatlich rund 1400 Bedürftige in Torgau, Dommitzsch, Belgern, Beilrode, Dahlen und Mockrehna mit Lebensmitteln versorgt. Die Oschatzer Tafel versorgt rund 450 Bedarfsgemeinschaften, beschäftigt zwei Festangestellte über Fördermaßnahmen und kann sich im Durchschnitt auf 20 Ehrenamtliche verlassen. Jutta Faak von der Delitzscher Tafel kann auf ihren ehrenamtlich engagierten und fünf Mann starken Vorstand sowie fünf fest angestellte Kräfte bauen. Sie aber musste wegen des Wegfalls der Ein-Euro-Jobber die Eilenburger Außenstelle vorübergehend schließen. Inzwischen ist die aber wieder geöffnet. Darüber hinaus wird derzeit intensiv an der Eröffnung einer Ausgabestelle in Laußig gearbeitet.

Mit der Präsentation einer möglichen Lösung ist es jedoch nicht getan. Auch das schien Landrat Michael Czupalla klar. Deshalb sagte er den Tafelvertretern Unterstützung bei der Antragstellung zu. Auch wolle er auf die betroffenen Kommunen zugehen, um mit diesen über eine mögliche Unterstützung des Ehrenamts zu sprechen. Und zu guter Letzt besteht das Kreisoberhaupt auch auf ein Feedback, will in angemessenem zeitlichen Abstand zu einem weiteren Gespräch laden, sehen, ob sich die angespannte Situation entspannt hat und die Tafeln wieder problemlos arbeiten können.