2. Dezember 2010 Frank Pfütze (Leipziger Volkszeitung)

Sachsen geht gegen Umgebungslärm vor Lärmkartierung

Belastungen in der Gemeinde Rackwitz sind auf einen Kilometer Bundesstraße reduziert


Kreisgebiet. Das sächsische Ministerium für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL) hat die Umsetzung der zweiten Stufe der EU-Umgebungslärmrichtlinie thematisiert und zu einer Veranstaltung nach Dresden eingeladen. Betroffene Kommunen sind erfasst und sollen nun eine sogenannte Lärmkartierung durchführen. Bis Juni 2012 muss diese abgeschlossen und bis Juli 2013 ein Aktionsplan erstellt sein.
Von der Gemeinde Rackwitz nahm Bau-Sachgebietsleiter Sieghart Handke teil. "Ich hatte mir eigentlich mehr davon erwartet", lautete sein erstes Fazit. Rackwitz sei lediglich mit einem Kilometer "betroffen". Das Ministerium hat 900 Meter B 184 und 100 Meter B 2 erfasst, welche die Untersuchungskriterien erfüllen. "Es handelt sich bei uns vermutlich um den Bereich Brodau und den Obstverkauf an der B 2. Das weiß ich aber noch nicht genau", so Handke. Insgesamt sind 251 sächsische Kommunen erfasst. Damit die nicht im Alleingang loslegen müssen, bietet das SMUL an, die Lärmkartierung zentral und bereichsweise vom Landesamt für Umwelt und Geologie regeln zu lassen. Rackwitz müsste für seinen Kilometer 600 Euro bezahlen. Für Handke eine sinnvolle Investition: "Das Landesamt hat Erfahrung, Unterlagen und Vorkenntnisse. Es hat die Kartierung bereits in Stufe eins für Ballungszentren gemacht."
Interessierte Kommunen können bis 30. Januar einen entsprechenden Rahmenvertrag unterzeichnen. Es steht aber auch jeder Stadt oder Gemeinde frei, bis 30. Juni 2012 selbst Lärm festzustellen, zu berechnen und die Belastungen zu definieren - alos die Frage zu beantworten: Wie weit rückt die zulässige Dezibel-Zahl an Wohngebäude heran? Aus diesen Erkenntnissen muss dann bis Juli 2013 eine Planung erstellt werden, die aussagt, wie diese Belastungen reduziert oder beseitigt werden sollen, wie der Schutz aussehen soll, welche Maßnahmen ergriffen werden, um Menschen zu schützen.
In Krostitz könnten davon die Bewohner profitieren, die entlang der B 2 leben, in Rakwitz die Brodauer (B 184) und vermutlich die Obstverkäuferin an der B 2. Möglich, dass der Rackwitzer Gemeinderat, der das Thema heute Abend auf seiner Tagesordnung behandelt, auch anders entscheidet und das Kartierungsgebiet erweitert. Denn vor allem im Ort (Schwerlastverkehr, Bahn, Flugzeuge) ist der Umgebungslärm ausgeprägt und überprüfenswert. Handke betont, dass diese Maßnahmen "gar nichts" mit den innerörtlichen Belastungen zu tun haben, die Züge, Flugzeuge sowie das Industrie- und Gewerbegebiet verursachen. Die Inhalte weiterer Schutzmaßnahmen seien noch unklar. "Was wann und wie kommt, steht noch nicht fest. Ich weiß nur, dass auch die Bahn und die Industrie solche Lärmkartierungen anfertigen müssen. Es ist ein Trend zu erkennen, dass Lärmschutz an Bedeutung gewinnt", so Handke.